Ohren auf Austro-Jazz mit Gesang

Ein Rausch mit Limonade, aber Soda ist fade

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 12/14 vom 19.03.2014

Auf dem Booklet zu ihrem Debüt "Bublinky" (Tun Records) sieht man das Duo Pearlmania mit Seifenblasen hantieren, und die bubbles sind ja auch im Titel präsent. Entsprechend bunt, freundlich, verspielt und zuweilen ein bissl kindisch (Kazoo!) ist auch das Album: Der jazzpoppige Scatgesang von Nica Zach perlt über den auch nicht eben übellaunigen Keyboards von Julia Siedl. Ein paar Brüche oder etwas mehr Abwechslung hätten nicht geschadet. Nach der Schlussnummer (einem ausgelassenen Scat-Chor) hat man jedenfalls den Eindruck, sich mit Kindersekt einen Rausch angetrunken zu haben.

Dieses Gefühl stellt sich bei "Two Faced" (Blue Pearls), dem zweiten Album des Quartetts S.O.D.A., nicht ein. Oliver Stegers schön voll tönender Bass und die Perkussion von Amirkasra Zandian sorgen zwar für einen aparten Sound, der in seinem Bemühen um global approbierten Groove allerdings in keiner Airport-Lounge für Irritationen sorgen würde. Und die von Gabriela Horn gesungenen/gerappten Texte bieten zwischen Beziehungskram und Zeitkritik light wenig Originelles.

Wesentlich ambitionierter ist das vom japanischen Autor Haruki Murakami inspirierte Album "Paper Clips" (Traumton), das die in Berlin lebende Grazerin Laura Winkler mit ihrem zwölfköpfigen Wabi-Sabi Orchestra eingespielt hat, das eher wie ein Kammermusikensemble, denn als klassische Bigband und generell recht abwechslungsreich eingesetzt wird. Winkler setzt ihre Stimme instrumentell oder rezitierend ein, nutzt weitere Vokalisten um pulsierende und glissandierende Minidramen von einigem Witz zusammenzubasteln ("Dance I") oder flirrende Klangräume zu erzeugen. Auf der zweiten, stärker in Richtung freie Improvisation gehenden Albumhälfte lässt die Spannung etwas nach, was nichts am positiven Gesamteindruck ändert. Man wird die Frau also im Auge bzw. im Ohr behalten müssen.


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