Tiere

Wärmstube

Falters Zoo | Peter Iwaniewicz | aus FALTER 12/14 vom 19.03.2014

In einem Interview im Falter 4/01 lästerte Florian Scheuba über ihn: "Wenn man sich nicht ganz sicher ist, was jetzt wirklich die falsche Meinung zu irgendeinem Thema ist, dann liest man einfach bei Georg Hoffmann-Ostenhof nach, und schon ist das Weltbild wieder geordnet." Das war vor mehr als zehn Jahren und damals nicht sehr nett. Aber auch nicht ganz falsch.

In seinem dieswöchigen Kommentar zum Weltgeschehen im Profil arbeitet Hoffmann-Ostenhof sich am Klimawandel ab: "Die Klimaforscher müssen zugeben, dass die durchschnittliche Temperatur in den vergangenen 13 Jahren im Großen und Ganzen stabil geblieben ist, die Erderwärmung eine Pause macht. Und niemand weiß, woher diese Pause kommt und wie lange sie noch dauern wird." Gähn. Mit der These "Nix Genaues weiß man nicht" lässt sich eine CO2-intensive Lebensweise natürlich gut rechtfertigen. Dabei war erst vor kurzem in allen Qualitätsmedien zu lesen, wie komplex es ist, die Temperaturdaten von 510 Millionen Quadratkilometern Erdoberfläche auf einen einzigen Mittelwert zu bringen. Einig waren sich jedoch alle Forscher, dass die globale Temperatur in Bodennähe um 0,12 Grad pro Jahrzehnt steigt. Und das ist auch jener Wert, den der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), der Uno-Klimarat, als Langzeittrend seit Mitte des 20. Jahrhunderts angibt. Die Auswirkungen des globalen Temperaturanstiegs werden von der Zentralanstalt für Meteorologie für den Alpenraum sogar mit 1,2 Grad je Jahrzehnt errechnet.

Das ist natürlich alles sehr abstrakt. Dabei lassen sich gerade Änderungen des Klimas sehr gut durch eigene Naturbeobachtungen nachvollziehen. In sogenannten phänologischen Kalendern notiert man den Zeitpunkt jährlich wiederkehrender Entwicklungen der Natur. Wann beginnt die Blattentfaltung bestimmter Baumarten, wann treiben erste Blüten aus und wann beginnen die Kröten zu wandern? Im Vergleich zeigt sich, dass Frühlingspflanzen wie Haselnuss und Schneeglöckchen seit 2004 um eineinhalb bis drei Tage früher austreiben. Die ersten Schmetterlinge wie der Kleine Fuchs und der Zitronenfalter waren in Wien heuer auch schon zu sehen und Ameisen tragen seit zwei Wochen Blattläuse auf die Weide der Balkonpflanzen. Wer jetzt im Vorfrühling mit offenen Augen durchs Leben geht, kann sich selbst ein Bild machen und muss nicht wie Hoffmann-Ostenhof "Kassandra-Rufe" beklagen.

www.falter.at iwaniewicz@falter.at zeichnung: püribauer.com


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige