Stadtrand Urbanismuskolumne

Witterungsbedingte Zwischenstopps

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 12/14 vom 19.03.2014

Wer Sonntagabend im verspäteten Eurocity auf dem Weg von Warschau nach Wien, Westbahnhof den Zugbegleiter kurz nach der tschechischen Grenze fragte, wieso man denn nun bis Gänserndorf "witterungsbedingt" an jedem Kleinbahnhof stehenzubleiben ankündigte, konnte damit einen Redefluss in Gang setzen, der sich gewaschen hatte: Ja, der Sturm, umgeknickte Bäume. Zwei Züge seien ausgefallen, und nun wolle man die vielen Fahrgäste, die da sicher schon ganz aufgebracht an Kleinbahnhof-Bahnsteigen stehen, noch mitnehmen. Ganz außerplanmäßig ist das natürlich ein feiner Zug der Bahn. Obwohl sich bald herausstellte, dass an den Bahnsteigen jetzt nicht die Menschenmassen warteten. Auch waren die Leute nicht sooo aufgebracht, vielleicht ein bisschen durch den Wind. Im Zug selbst nahmen die Passagiere die weitere Verzögerung ihrer Reise erstaunlich gelassen. In Wien, so scheint es, regt man sich nicht mehr so schnell auf. Und aus 40 angekündigten Verspätungsminuten wurden "witterungsbedingt" weniger als 30. Ebenfalls ein Grund zur Freude.

Stell dir vor, Christopher Wurmdoblers Zug hat Verspätung und niemanden stört's


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