Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 12/14 vom 19.03.2014

Es gehört zu den größten Irrtümern politisch engagierter Künstler, dass sie glauben, die Kunst würde dadurch populär, dass sie im Fernsehen vorkommt. Sobald nämlich Skulpturen, Gemälde und postkoloniale Diskursperformances auf dem Bildschirm auftauchen, schalten die werktätigen Massen weiter. Zu gescheit, zu fad!

Der Maler Pablo Picasso wiederum blieb den alten Medien treu, um seine Idee eines kommunistischen Weltfriedens darzustellen. Nun stellt eine Ausstellung im Picasso-Museum in Münster dar, wovon sich der Meister zu seinen Bildern inspirieren ließ - vom Fernsehen. Die Werke der sogenannten "Suite 347" sind meistens wie das Fernsehbild im 4:3-Format, in Schwarz-Weiß. Am Sonntagnachmittag hatten die Kinder still zu sein, denn da lief "Catch à quatre"; außerdem mochte Picasso Sandalenfilme und Musketiere. Malerei im Fernsehen ist ein Flop, der Bildschirm auf der Leinwand hingegen große Kunst.


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