Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Alles eine Frage der Auslegung

Steiermark | Tiz Schaffer | aus FALTER 13/14 vom 26.03.2014

Als Ende der 1980er-Jahre in Österreich das Wunschkennzeichen für Motorisierte eingeführt wurde, da ging in der Obersteiermark die Geschichte von einem Skilehrer um, der sich, seiner Profession entsprechend, das Wunschkennzeichen SCHI 1 zugelegt hatte. Das Bemerkenswerte daran war, dass der Pistenfex in Murau gemeldet war. Die nette Oma von nebenan, zudem Haustierhalterin, fühlte sich von MU SCHI 1 nicht irritiert. Bei Jungmännern mit ordentlich Testosteron im Blut sorgte die Erzählung indes für Erheiterung. Und sie untermauert anschaulich, dass alles eine Frage der Auslegung ist.

Letzte Woche war zu erfahren, dass die Bezirkshauptmannschaft Graz-Umgebung ein Wunschkennzeichen mit den Buchstaben LMAA bewilligt hatte. LMAA, klingelt's? Der Fall beschäftigt nun die Wiener Volksanwaltschaft. Ein Autofahrer fühlte sich von dem Nummernschild in seiner Ehre gekränkt. Er interpretierte das Akronym als eine auf ihn bezogene Insultation: "Leck mich am Arsch."

Sicher gibt es Menschen, die LMAA als unflätiges Kürzel verwenden. Ob der Inhaber des Wunschkennzeichens so ein Mensch ist, dürfte ihm schwer nachzuweisen sein. Selbst wenn, man muss ja nicht alles gleich persönlich nehmen. Wenn der Beleidigte Pech hat, dann wendet sich das Blatt gegen ihn. Voriges Jahr beglich ein Südsteirer eine Parkstrafe in 17 Teilbeträgen in der Höhe von 0,17 bis 4,22 Euro. Er wurde wegen mutwilliger Inanspruchnahme der Behörden, die er pflanzen wollte, zu einer Strafe von 80 Euro verdonnert. Man möchte dem Herrn, der sich zum Arsche lecken genötigt fühlt, keine Mutwilligkeit unterstellen. Es könnte aber als eine solche ausgelegt werden.


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