Doris Knecht Logbuch

Okay, was kostet es mich diesmal?

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 13/14 vom 26.03.2014

Es geht also los, und es läuft alles gemäß Drehbuch. Sprechen einen die Kinder zwischendurch wider Erwarten doch einmal mit einem Lächeln auf den Lippen an oder melden sich gar freundlichen Tonfalls telefonisch aus der Schule, liegt man selten falsch mit der Eröffnung: Okay, Mausi, was kostet es mich? Ansonsten: frequentes Türenknallen, KEINER HIER VERSTEHT MICH!!!!! Ja, mich auch nicht, warum soll es dir besser gehen. Ich muss dann in die Buchhandlung, schon mal Jesper Juuls "Pubertät" besorgen, soll als Survival Kit sehr brauchbar sein: Bisher wurde auf Ratgeberliteratur ja verzichtet, aber das ist jetzt vielleicht eine Phase, in der ein bisschen Anleitung nicht schaden wird.

Andererseits fährt man jetzt wieder aufs Land, wo es gleich wieder so unglaublich viel zu tun gibt, dass man gar keine Zeit hat, sich um Launen und Wünsche der Erben zu kümmern. Jetzt abgesehen von kleinen Konversationen einschlägigen Inhalts: Zieh dir bitte Schuhe an, so warm ist es noch nicht. Die insgesamt recht kurz geraten, da kinderseits meist sehr Buchstaben sparend reagiert wird. Nein.

Du ziehst bitte.

Tschü!

Nachrennen sinnlos, mit einer Durchschnittslaufgeschwindigkeit von, Runtastic hat's ausgerechnet, traurigen 7,19 km/h ist man gegen den Nachwuchs längst ohne Chance. Außerdem: mir jetzt wurscht, das Haus muss den Spinnweben entrissen werden, im Badezimmer leckt etwas, alle Gartensessel sind plötzlich moosgrün, das Feuerholz ist knapp, der Schaukelast an der Weide neigt sich gefährlich gen Boden, die Tauchpumpe funktioniert nicht mehr und statt einer Wiese haben wir, der Lange erblickte es mit kaltem Grausen, eine braune Buckelpiste. Wieso bitte stehen Maulwürfe unter Naturschutz?? Vom Aussterben bedroht sind sie jedenfalls nicht, wenn man sich das Land grad so ansieht.

Man muss auch mit den Horwaths die Sommersaison offiziell eröffnen und alles bewundern, was neu ist, wobei mein hübscher, gelber 50er-Jahre-Hocker ein bissl abstinkt gegen den wahnsinnsschönen neuen Kachelofen der Horwaths, den man angemessen bewundert, während die Horwathin dem kleinen Horwath hinterherruft, dass er eine Jacke anziehen soll, weil es Nein. Tschü.

Man muss auch in den Nachbarort fahren, das Haus von den Neuen bewundern, die dort vor drei Monaten eingezogen sind und jetzt einen Weltrekord in Speed-Integration aufstellen. Die Neuen sind schon mit jeder Wirtin jedes Wirtshauses im Umkreis von zehn Kilometern per Du, kennen deren Kinder und Haustiere, sie wissen, welchen Bauern man anruft, wenn man einen Baum weg braucht, und welcher Installateur auch am Sonntagabend kommt -und wenn im Lagerhaus die Kräutererde in Aktion ist, werden die Neuen von der Lagerhaus-Gerti in Wien angerufen, damit sie's nicht verpassen. Beindruckend. Schönes Haus auch.

Bei unserem steht dafür wieder einmal das Badezimmer unter Wasser. Könnt ich dann mal die Nummer von diesem Installateur? Danke!

Doris Knecht hat dafür einen neuen Hocker


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