Film Neu im Kino

Atmosphärische Gangstergeschichte: "Banklady"

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 13/14 vom 26.03.2014

Hamburg Mitte der 1960er-Jahre: Gisela Werler ist über 30, arbeitet in einer Tapetenfabrik, hat ein Zimmer in der Wohnung ihrer Eltern und den Blick einer Frau, die vom Leben kein großes Glück zu erhoffen wagt. Zwischen Stechuhr und ärmlichen Lebensverhältnissen stellen Frauenzeitschriften und Zigaretten ihren größten Luxus dar. Ihr zurückgezogenes Dasein ändert sich, als sie Hermann Wittdorf kennenlernt und sich sofort verliebt. Dass der undurchsichtige Taxiunternehmer nebenberuflich Bankräuber ist, stört Gisela nicht: Als seine Komplizin wird sie die erste Bankräuberin Deutschlands.

Christian Alvarts Gangsterdrama "Banklady" beruht auf der wahren Geschichte Gisela Werlers, die während ihrer kriminellen Karriere unter der titelgebenden Bezeichnung zu einem Medien-"Star" wurde. Die Stärke des Films liegt neben der schauspielerischen Leistung -Nadeshda Brennicke überzeugt als Gisela Werler, Charly Hübner als Hermann Wittdorf und Ken Duken als Kommissar Fischer -in der authentischen Atmosphäre. Von der Kleidung bis zur Zimmereinrichtung und ganzen Straßenzügen bildet die Ausstattung die 1960er in Deutschland bis ins kleinste Detail nach. Unaufdringlich lässt der Film die Themen der Zeit mitschwingen: die Kriegsvergangenheit der Elterngeneration, der Traum vom Wohlstand, das Bild der Geschlechter zwischen Ernährer und Macho, braver Hausfrau und neuer Sexiness.

In diese Authentizität bettet Alvart eine spannende Handlung mit gutem Erzähltempo ein, die Werlers kriminelle Energie und Motivation aus Liebe nicht bewertet. Eine rein der Unterhaltung geschuldete falsche Fährte scheint übertrieben, eine Kameradrehung am Ende fast zu kitschig, insgesamt ist "Banklady" gut gelungen.

Ab Fr in den Kinos


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