Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Wenn der Kaffeehausgast mit dem Elektroschocker begrüßt wird

Politik | FLORIAN KLENK | aus FALTER 13/14 vom 26.03.2014

Das Kaffeehaus ist das Wohnzimmer des Wieners. Und deshalb lässt sich der Wiener darin auch nicht so gerne aus der Ruhe bringen. Schon gar nicht von der Polizei. Sie reagiert deshalb mitunter etwas aufgebracht, wie Christian G. von der Uni Wien beklagt.

Anfang Dezember, so meldete er in einer Anzeige an die Wiener Polizei, hätten zwei Beamte den gemütlichen Sperlhof "überfallen".

G. schreibt: "Eine größere Gruppe nicht als Polizisten erkennbarer Männer" hätten "in Zivilkleidung das Kaffeehaus gestürmt", die Gäste "mit einer Waffe und verbal bedroht und verhöhnt" und verboten, das Geschehen mit dem Mobiltelefon mitzufilmen. Man suche einen Dealer, so die Polizei.

Das Bürgerbüro der Polizei schrieb G. nun zurück. Der Brief könnte von Adolf Kottan sein.

Wörtlich heißt es: "Die Polizeibeamten gaben an, beim Betreten des Lokals gegrüßt und kundgetan zu haben, dass sie von der Kriminalpolizei sind und eine Person, welche im Lokal mit Suchtmittel handeln würde, suchen. Da jedoch die anwesenden Personen beziehungsweise Lokalgäste darauf keinerlei Reaktion zeigten, wurde allen Anwesenden lautstark der Grund des Polizeieinsatzes neuerlich zur Kenntnis gebracht und gleichzeitig erfolgte die Aufforderung an der Amtshandlung mitzuwirken."

Die Beamten bestätigten, "dass sie zur Eigensicherung sowie zum zweck-orientierten Ablauf der Amtshand-lung den Lokalgästen das Benützen von Handys untersagten und auch ein Taser in entschlossener Sicherungshal-tung verwendet wurde". Wir lernen: Wenn der Kaffeehausgast nicht sofort an einer Amtshandlung mitwirkt, sondern entspannt weiter in der Zeitung liest, zückt der Inspektor schon einmal den Elektroschocker, um "in entschlossener Sicherungshaltung" auf die Gäste zu zielen.

"Sollten Sie das Verhalten der Beamten als Provokation empfunden haben", schreibt die Polizei, "bedauern wir den entstandenen Eindruck."


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