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Politik | KIRSTIN BREITENFELLNER | aus FALTER 13/14 vom 26.03.2014

Das Theater des Terrors

Gewalttätige Bilder und Vorstellungen sind kein Monopol einer bestimmten Religion, Motive von christlichen, jüdischen, buddhistischen und muslimischen Terroristen unterscheiden sich gar nicht so sehr. Mark Juergensmeyer beschreibt Terroranschläge als Inszenierungen von Gewalt, als symbolische, theatralische Machtdemonstrationen. "Terrorismus ohne schockierte Zeugen gliche einem Theater ohne Zuschauer."

Je mehr Opfer, desto besser, und je unschuldiger, desto besser, lautet die eiskalte Devise dieses Geschäfts, denn umso größer fällt die Empörung aus, und umso mehr Menschen werden von der Angst infiziert, selbst Opfer dieser mitleidslosen Rechnung zu werden. Die Selbstmordattentäter stilisieren sich zu Opfern, die für die gerechte Sache zu Tätern werden, zu Märtyrern, die "nur" ihre Ehre und ihren Glauben verteidigen. Sie wissen sich moralisch gerechtfertigt und sichern sich einen Platz im Paradies. Die Opfer, die sie dabei produzieren, erscheinen nicht als unvermeidbare Kollateralschäden -sondern sind der Einsatz im Geschäft mit der Aufmerksamkeit.

Mark Juergensmeyer: Terror im Namen Gottes. Ein Blick hinter die Kulissen des gewalttätigen Fundamentalismus. Herder, 384 S. (antiquarisch)


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