Scheibl bei Lendl: vom Rauschzustand abstrakt bemalter Oberflächen

Lexikon | KUNSTKRITIK: ULRICH TRAGATSCHNIG | aus FALTER 13/14 vom 26.03.2014

Warum kommt in Anbetracht der Bilder Hubert Scheibls selten die Rede auf Abstinenz und Nüchternheit? Die Frage drängt sich auf, blättert man durch den schönen Katalog, der vergangenes Jahr zu Scheibls Ausstellung "Plants and Murders" im Museum der Moderne Salzburg erschien. Der Schriftsteller Clemens Berger berichtet darin, er habe eine Flasche Rotwein geöffnet, als er das erste Mal mit den Bildern von Hubert Scheibl konfrontiert war. Die Kunsthistorikerin Cathérine Hug erinnert sich in ihrem Beitrag an ihren ersten kunstaffinen Rausch. Der war allerdings alkoholfrei und fand vor den Gemälden Clyfford Stills statt. "Überfluss und Überdruss, Saugen und Verlangen", ergänzt Kurator Veit Ziegelmaier im Rahmen von poetischen Assoziationen.

Bald erhärtet sich eine Vermutung: Bilder, die sich im künstlerischen Freiflug zu ereignen scheinen und dabei nicht im Entferntesten auf die ängstliche Idee kommen, Seile in die sachliche Welt der Gegenstände abzuwerfen, stellt man sich nicht gerne prosaisch vor. Tatsächlich hat es etwas Berauschendes, sich in den Untiefen bis an den Rand ausgekosteter Oberflächigkeit zu verlieren. Man kann und sollte das in der Galerie Eugen Lendl, im Rahmen der Ausstellung "Destination 47/15", tun.

Die Reise, die hier entlang rezenter Bildzyklen über rein abstrakte Landschaften hinwegführt und dabei ein wenig wie die österreichische Antwort auf Gerhard Richter aussieht, wird vielleicht auf keinen konkreten Zielpunkt hinauslaufen, den Betrachter dabei aber sicherlich nicht unglücklicher machen.

Galerie Eugen Lendl, Graz, bis 26.4.


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