Ein treuer Förderer des Qualitätsjournalismus ist tot

Für den Kommunikationswissenschaftler Hannes Haas war Journalismus der Schlüssel zum Funktionieren einer Gesellschaft

Medien | NACHRUF: BARBARA TÓTH | aus FALTER 13/14 vom 26.03.2014

Wie viele Maturanten wählten das Fach Publizistik-und Kommunikationswissenschaft in der Erwartung zu lernen, wie man Journalist wird, und waren dann enttäuscht? Die Vorlesungen von Professor Hannes Haas waren immer ein Trostpflaster. Hier hörte man jemanden, der Journalismus nicht nur als wissenschaftliches Objekt verstand, dem man mit den Methoden der Inhaltsanalyse zu Leibe rückte, sondern als Passion. Wohl auch, weil der 1957 in Leonding Geborene selber als Journalist begann, bevor er die wissenschaftliche Karriere einschlug. Die Brücke zwischen Theorie und Praxis zu schlagen war stets Haas' Antrieb, und er versuchte das auf vielfältige Weise.

Etwa indem er 2007 die Leitung der Theodor-Herzl-Dozentur für Journalismus übernahm und Persönlichkeiten wie Antonia Rados, Alice Schwarzer, Florian Klenk, Heribert Prantl und Armin Wolf als Vortragende gewann. Oder indem er für das Bundeskanzleramt eine Evaluationsstudie zur Presseförderung verfasste und darin das herrschende System -zu Recht - als "nicht effektiv" beim Erhalt der Pressevielfalt bezeichnete.

Die wichtige Rolle, die moderner Qualitätsjournalismus für eine Gesellschaft spielen sollte, erforschte Haas bereits in seiner 1999 veröffentlichten Habilitationsschrift "Empirischer Journalismus. Verfahren zur Erkundung gesellschaftlicher Wirklichkeit".

Guter Journalismus funktioniert wie ein "soziales Erkenntnissystem", Qualitätsmedien sind somit "Erkenntnisunternehmen", die sich unter steigendem wirtschaftlichem Druck und Nonsens-Informations-Überflutung

bewähren müssen. Haas hat seinen Beitrag fürs Überleben des Qualitätsjournalismus geleistet.

Er starb vergangene Woche mit 57 Jahren überraschend an Lungenkrebs und hinterlässt eine Frau und zwei Söhne.


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