Kommentar Der ORF und die heimische Filmwirtschaft

So blunzendeppert, dass man sich leicht verschluckt

Falter & Meinung | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 13/14 vom 26.03.2014

Erni Mangold hat einen Apfel gegessen. Jetzt muss sie ein Stück davon ausspucken, dreht sich mitten im Satz weg von der Kamera - Entschuldigung, Schnitt, Pause -, setzt ihr Statement wenig später fort und sagt, ohne eine Miene zu verziehen: "Der ORF soll zusperren."

Für ihre Darstellung einer Alzheimerpatientin in der Herbstromanze "Der letzte Tanz" wurde Mangold, 87, soeben mit dem Schauspielpreis der Diagonale ausgezeichnet. Zudem ist sie seit voriger Woche, wie dutzende andere mehr oder weniger prominente Persönlichkeiten des österreichischen Filmschaffens, auch online zu bewundern: in einer Videopetition, die den ORF verpflichten soll, 20 Prozent seiner Gebühreneinnahmen an heimische Produktionen zu vergeben.

Schon die Liste der "Darsteller" des vom Casting-Direktor und Regisseur Markus Schleinzer initiierten und perfekt besetzten Aufrufs (www.filmfernsehfreunde.at) lässt erahnen, wie ernst die Lage der heimischen Filmbranche trotz aller internationalen Erfolge ist. Publikumslieblinge und Filmemacher bangen um tausende Arbeitsplätze, das mühsam gewonnene Renommee, die Perspektiven für künftige Talente. Um all das aufs Spiel zu setzen, müsste der ORF, wie es Lukas Resetarits so schön ausdrückt, schon "blunzendeppert" sein.

2014 dürfte das ORF-Auftragsvolumen für das unabhängige österreichische Film-und Fernsehschaffen auf 80 Millionen Euro schrumpfen, was einem Minus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Ein harter Schlag, der mit dem Ausbleiben der Gebührenrefundierung begründet wird. Sollte das tatsächlich umgesetzt werden, wird von der Filmwirtschaft hierzulande bald nur mehr eine ziemliche Wirtschaft übrig sein.


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