Meinesgleichen Wie tief ist das Flache? Der Boulevard im Blutrausch

Falter & Meinung | aus FALTER 13/14 vom 26.03.2014

Blut ist ein besonderer Saft. Der Boulevard gerät außer Rand und Band, wenn er Blut sieht. Zum Beispiel das Blut jenes Österreichers, der an der südafrikanischen Küste einer Haiattacke zum Opfer fiel. Der Verunglückte wurde natürlich in voller Pracht abgebildet, keines unserer von der Regierung mit Inseraten ausgestopften Prachtexemplare von Blutmedien ließ die Chance aus, sein Porträt mit dem Porträt eines blutrünstigen Hais zu kombinieren, des "Monsters aus der Tiefe"(Krone), das den Oberösterreicher "im hüfttiefen Wasser zerfleischt" hat (Heute). Zeugnis der Kreativität wie der Feinfühligkeit jener Zeitungsmacher, die unsere Regierung für die fördernswertesten hält. Bestbezahlte Bestialität für gutgelaunte Steuerzahler sozusagen. Die Rechte des Toten, Pietät gegenüber dessen Hinterbliebenen? Darauf kann man keine Rücksicht nehmen, wenn das Blut ruft.

Auch Hermann Nitsch, dem Blut nicht ganz abgeneigter Künstler, dank seiner prachtvollbärtigen Erscheinung gern gesehene Ikone auf allen Society-Seiten, wurde durch den Boulevard gezogen. Die Vorwürfe des Detektivs Dietmar Guggenbichler wurden kolportiert, als handle es sich bei dessen Mutmaßungen um die reine Wahrheit. "Blutmaler"(Krone) Nitsch - ein Steuerbetrüger, eh klar. Steuerfahnder rückten wieder einmal gemeinsam mit Boulevardreportern aus. Ist doch in Ordnung, dass der Staat mit jenen Medien gemeinsame Sache macht, mit denen er sich gemein macht. Ist ja alles wurst. Blutwurst.


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