Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Zumutung

Falter & Meinung | aus FALTER 13/14 vom 26.03.2014

Sieh mal, wer da schreibt! Ein Leider-nein-ÖVP-Obmann kommentierte im Falter die Frage, ob Lehrlinge mit Lehrabschluss studieren dürfen sollten. Richtig bemerkte er, hier würden Studierfähigkeit und Studienberechtigung vermischt. "Mit Letzterer ist dem Lehrling nicht geholfen. Was er braucht, ist eine entsprechende Vorbildung, um jene Kenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben, die für ein Studium an einer Universität unabdingbar sind." Es wäre lohnender, die Ausbildung der Lehrlinge dahin zu verbessern und die Durchlässigkeit des Systems zu erhöhen, als mit billigen Slogans punkten zu wollen.

Johannes Hengstschläger war damals Rektor in Linz und Präsident der Österreichischen Rektorenkonferenz. 1995 erlangte er einige Bekanntheit als Erwin Prölls Kandidat für den ÖVP-Obmann, der vergebens im Wiener Café Landtmann wartete, während die ÖVP-Granden Wolfgang Schüssel zum Nachfolger Erhard Buseks kürten.

Mehr Parteipolitik: Die Grünen Peter Pilz und Christoph Chorherr lieferten einander im Vorfeld der EU-Abstimmung ein verbales Duell. Chorherr ließ die Katze aus dem Sack: Er sprach sich für Österreichs Beitritt aus. Pilz war dagegen. Einig waren sich die beiden darin, dass die EU nicht die Wunschlösung aller europäischen Probleme darstelle.

Eine originelle Geschichte las man im Politikressort. Haubenkoch Reinhard Gerer testete jenes Essen, das man Asylwerbern und Asylwerberinnen vorsetzte. Ernährungswissenschaftlerin Hanni Rützler analysierte, das Essen bestehe hauptsächlich aus Fleisch und sei zu fett. "Beides entspricht den Schwachstellen der typisch österreichischen Küche." Den Asylwerbern wurde nicht erlaubt, selbst zu kochen und auf ethnische und religiöse Besonderheiten Rücksicht zu nehmen.

Etwas weniger zurückhaltend drückte sich Haubenkoch Reinhard Gerer aus. Das Essen sei schlicht "ein Horror". Ab einem gewissen Punkt weigerte er sich, überhaupt noch weiterzukosten, denn die ihm vorgelegten Gerichte seien "eine Zumutung für seinen Gaumen". AT


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