Erinnerungen an Werner Pirchner, den Frank Zappa aus Hall in Tirol

Feuilleton | ZEITREISE: KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 13/14 vom 26.03.2014

Kennen Sie Werner Pirchner?" Regisseur Werner Ludin läuft sogar Joggern nach, um die Fragen an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Das wenig erstaunliche Ergebnis: Die Einwohner Halls kennen den großen Sohn der Stadt nur, wenn sie über die eigene Pension zumindest schon einmal nachgedacht haben. Seine Hochzeit hatte der 2001 mit 61 Jahren viel zu früh verstorbene Vibrafonist, Komponist und Querkopf in den 1970er-und 1980er-Jahren, in denen er sich mit seinem "Halben Doppelalbum"(1973) und dem ein Jahr später im ORF ausgestrahlten Kurzfilm "Der Untergang des Alpenlandes" schnell den Ruf des Rebellen und Nestbeschmutzers erwarb. Durch die Zusammenarbeit mit dem Gitarristen Harry Pepl avancierte er zum international gesuchten Jazzvirtuosen, ehe er es sich als Komponist, dem wir auch zahlreiche ORF-Signations verdanken, zwischen allen Stühlen gemütlich machte.

"D.U.D. A.!" ist eine Spurensuche und eine persönliche Hommage des Berliner Regisseurs Ludin, der mit Pirchner befreundet war. Zu Wort kommen Weggefährten, Kollaborateure und Bewunderer - etwa der Schauspieler Erwin Steinhauer, der einige Textzeilen auswendig zitiert und erklärt, dass das "damals" zum guten Ton gehörte und den Zugang in die Herzen und Höschen der Studentinnen erleichterte.

Man erahnt, dass dieser Mann, der "über alles Bescheid gewusst hat"(Tobias Moretti) und der laut André Heller "nicht selbstverliebt, sondern einfach nur begabt" war (also eine Art Anti-Heller), eine charismatische und irgendwie wichtige Figur gewesen sein muss. Die Epoche indes, in der sich all dies zutrug, scheint so fern wie das vorletzte Fin de Siècle. Der Vergleich mit Zappa, den eine Plattenhändlerin anstellt, ist durchaus triftig, aber die starke Präsenz des Parodistischen generiert bei Pirchner auch viel Halblustiges wie Rülps-und Furzgeräusche, mit denen man heute zwar noch immer vollbesetzte Schülerbusse unterhalten kann, aber ansonsten nicht mehr allzu viele Hunde hinterm Ofen hervorlocken wird.

Ab 27.3. im Votiv-Kino


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