Puristisch und hochexpressiv - Peter Konwitschny inszeniert "Jenufa" an der Oper Graz

Lexikon | OPERNKRITIK: HERBERT SCHRANZ | aus FALTER 14/14 vom 02.04.2014

Ein Tisch, ein Bett, ein Topfbäumchen auf weitem Rasen - das ist das minimalistische Bühnenbild Johannes Leiackers für Peter Konwitschnys zurückhaltende, aber enorm wirkungsvolle Regiearbeit zu "Jenůfa" von Leoš Janáček an der Oper.

Der Innenraum ist mit dem Akt für Akt jahreszeitlich sich wandelnden Boden verschränkt, die Bühne freigefegt für die Akteure, auf die sich Konwitschnys Regiearbeit konzentrierte. Auch hier paart sich Zurückhaltung mit Konzentration, wobei Konwitschny mit hervorragenden Darstellerinnen der weiblichen Hauptrollen rechnen konnte, allen voran Iris Vermillion als Küsterin. Sie tötet das uneheliche Kind ihrer geliebte Stieftochter Jenůfa (Gal James), um dieser ein glückliches Weiterleben zu ermöglichen. Durch die Konzertmeisterin Fuyu Iwaki wird Jenůfa im Traumschlaf gehalten, während die Küsterin mit dem Kind verschwindet. In einer Traumvision Jenůfas fällt die Geigerin wie ein schwarzer Engel kurz tot auf ihr Bett. Jenůfa und ihr von allen kurz gehaltener zweiter Verehrer Laca (Aleš Briscein) agieren öfters - sozial abgestuft -von unter dem Tisch heraus. Vermillion spielt die verzweifelte Küsterin nicht nur packend, ihre kernige Stimme geht an die Grenzen möglichen Ausdrucks. Gal James' Stimmrolle ist konträr, wunderbar schwebend geriet ihr Mariengebet.

Weniger expressiv wurde das Philharmonische Orchester Graz unter Dirk Kaftan: dynamisch eingeebnet, manchmal undeutlich schnell, in repetitiven Phrasen Janáčeks mechanisch. Groß war der Beifall für Konwitschny, tosend für Iris Vermillion.

Oper Graz, Do (3.4.) 19.30


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