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Polit-Stil

Falter & Meinung | aus FALTER 14/14 vom 02.04.2014

Zu jener Zeit begab es sich, dass uns das Styling von Politikern mächtig auf die Nerven zu gehen begann. So interviewte Thomas Seifert einen englischen, auch hierzulande tätigen Berater, Alec Taylor, der so schöne Dinge sagte wie diese: "Wenn Politikmarketing und Coaching zu weit gehen, baut man die Politikverdrossenheit noch weiter auf, so etwas lehnen wir deshalb strikt ab. Man kann ohnedies nur verstärken, was aus dem Politiker, aus der Politikerin selbst kommt. Es ist wie beim Golf: Natürlich kann ich den Ball auch als Anfänger ins Loch schlagen. Aber, wenn ich einen sehe, der mit Style und einem schönen Swing den Ball ins Loch schlägt, freue ich mich, weil das einfach elegant wirkt. Die Bevölkerung erwartet auch, dass ein Politiker sein Handwerk so beherrscht wie der gute Golfer, der - im übertragenen Sinne - auch in der Politik mit einem schönen Swing den Ball ins Loch schlägt, sodass die Bevölkerung sagt:, Das war schön!‘“

Was für ein schönes Bild! Das Golfspiel als Metapher hat der Politik aber nicht viel Glück gebracht, und das Loch, in das sie einst Golfbälle schlagen wollte, ist heutzutage eher ein Milliardengrab oder eine Grube, in die sie selbst zu fallen droht.

Uns verließ der Mut angesichts dieses sich abzeichnenden Debakels nicht, nein, Doris Knecht zeigte Courage und ließ sich unter Anleitung einer Politikberaterin zur Politikerin umstylen und das auch noch fotografisch dokumentieren. Wir mochten ihren Anblick vorher lieber. Sie auch.

Im Kulturteil porträtierte Michael Omasta den Filmemacher Wilhelm Gaube. "Wer kennt Wilhelm Gaube? Niemand? Bleiben Sie ganz ruhig, Sie sind in bester Gesellschaft. Zusatzfrage: Hätten Sie vermutet, dass Wilhelm Gaube mit ziemlicher Sicherheit der produktivste heimische Filmemacher ist, dessen Werk an die hundertfünfzig (in Zahlen: 150) Künstlerporträts umfasst? Auch nicht? Vielleicht sollten Sie das folgende Interview doch lieber lesen …“

Das zahlte sich aus, ebenso wie die Lektüre der mit 24 Seiten ersten ausgewachsenen Buchbeilage, die schon Bücherfrühling ’94 hieß. AT


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