Am Apparat  Telefonkolumne

Haben wir wirklich 25 Jahre verloren, Herr Brandner?

Politik | Interview: Joseph Gepp | aus FALTER 14/14 vom 02.04.2014

Von einem "verlorenen Vierteljahrhundert“ spricht die Presse. Aus Daten des Wifo gehe hervor, dass die Realeinkommen in Österreich seit 24 Jahren stagnieren. Nominell werden die Löhne zwar höher, doch Inflation und höhere Steuern fressen die Zuwächse weg. Stimmt so nicht, sagt dazu der Finanzexperte Peter Brandner vom politischen Think Tank "Die Wei(s)se Wirtschaft“.

Herr Brandner, ist es denn falsch, dass die realen Nettoeinkommen pro Kopf in Österreich stagnieren?

Das wohl nicht, aber diese Frage geht am Kern des Problems vorbei.

Wieso?

Wer sehen will, ob es den Österreichern besser oder schlechter geht, darf sich nicht die Netto-Realeinkommen anschauen, sondern die Haushaltseinkommen. Bei den Realeinkommen sind entscheidende Dinge nicht berücksichtigt.

Welche?

Zum Beispiel Vermögenseinkommen und monetäre Transferleistungen, also etwa Pensionen und Familienbeihilfen.

Wie hoch ist der Anteil dieser Transfers am Haushaltseinkommen?

Österreich ist hier die Spitze unter den OECD-Staaten. 37 Prozent unserer Einkommen kommen von Transfers.

Wenn wir das mitberücksichtigen, wie hat sich Österreich dann entwickelt?

Bei den Haushaltseinkommen kommen wir laut EU-Statistik auf über zehn Prozent Zuwachs seit dem Jahr 1999.

Was heißt das?

Dass der Anteil von Sozialstaat und Umverteilung steigt. Bei einem Budgetdefizit gibt uns der Staat mehr Geld, als er uns wegnimmt. Gerade in der Krise soll das helfen, die Wirtschaft nicht einbrechen zu lassen. Nun kann man zwar politisch diskutieren, mit welchen Steuern welche Transfers finanziert werden sollen. Aber jene höheren Steuern, die die Realeinkommen stagnieren lassen, verschwinden nicht einfach im luftleeren Raum - sie finanzieren eben dieses Umverteilungssystem.


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