Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Niko und die Nelke: warum ein Wikipedia-Bild ausgetauscht wird

Politik | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 14/14 vom 02.04.2014

Im Jahr 2007 machte die damalige Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) den 19-jährigen Nikolaus Pelinka zu ihrem Pressesprecher. Die Qualifikation des Teenagers, des Sohns des damaligen Format-Chefredakteurs und ORF-Moderators Peter Pelinka: ein Jahr parlamentarischer Mitarbeiter in der SPÖ, davor Journalist bei der Nachrichtenseite chilli.cc und einige Wochen Volontär bei der Tageszeitung Der Standard.

Vier Jahre später - im Alter von 23 - entsandte die SPÖ Nikolaus Pelinka in den Stiftungsrat des ORF, das Kontrollgremium des wichtigsten Mediums des Landes. SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas hob ihren Vertrauten dort in den Chefsessel des "SPÖ-Freundeskreises“. Der erfahrene rote ORF-Stiftungsrat Karl Krammer, der nicht immer so handelte, wie es die SPÖ-Parteispitze von ihm verlangt hatte, musste dem jungen Pelinka überraschend weichen.

Ende 2011, mit 25 Jahren, sollte Pelinka schließlich als Büroleiter in die Chefetage des ORF wechseln. Doch der Aufstieg scheiterte. In einer groß angelegten Protestaktion probten die ORF-Redakteure den Widerstand, sie befürchteten politische Einflussnahme durch den roten Yuppie. "Für ihr mutiges Einschreiten für einen unabhängigen Journalismus“ wurde die "Zeit im Bild“-Redaktion wenige Monate später mit dem Concordia-Medienpreis für Pressefreiheit gewürdigt.

Nun schreiben wir das Jahr 2014. Die rote Ministerin Claudia Schmied ist zurückgetreten, SPÖ-Geschäftsführerin Laura Rudas kehrte der Politik den Rücken, um in Stanford zu studieren. Und was macht der einstige rote Shootingstar Pelinka?

Der ist nach der Causa zum Medienunternehmen Kobza Media gewechselt. Vergangene Woche forderte er, dass sein Bild mit der roten Nelke vom SPÖ-Maiaufmarsch 2013 auf seinem Wikipedia-Eintrag ausgewechselt wird. Er sei kein Politiker, das Foto sei irreführend, schrieb Pelinka an Wikipedia. Und: "Das Bild ist ein Problem in meiner Position als Vorstandsmitglied einer privaten Firma.“


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