Mediaforschung Verführungskolumne

Mitarbeiterwerbung: Frauen ans Regal, Männer ins Büro

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 14/14 vom 02.04.2014

Im Handel zahlen die Arbeitnehmerinnen drauf, das zeigt eine Studie der Wiener Arbeiterkammer. Warum? Frauen besetzen neun von zehn Teilzeitstellen. Das bedeutet erstens: Sie verdienen weniger. Zweitens: Sie können sich auch privat kaum weiterbilden, weil die Arbeitszeiten meist unregelmäßig sind. Drittens: Die Aufstiegschancen fehlen. Im Einzelhandel ist fast jeder zweite Arbeitsplatz ein Teilzeitjob.

Bipa, die "billige Parfümerie“, wirbt nun in einer groß angelegten Kampagne um neue Mitarbeiter. Besser gesagt um Mitarbeiterinnen. Im Lehrlingsvideo lauter Mädchen, im Hintergrund spielt das Lied "Girls Just Wanna Have Fun“. Auch im Hauptspot für die Personalkampagne verbreiten im Geschäft nur Verkäuferinnen Freude. Dazu frohlockt eine Frauenstimme: "Komm zu Bipa und sichere dir einen der besten Arbeitsplätze Österreichs.“ Als Teilzeitverkäuferin gibt’s für 20 Stunden 753 Euro brutto im Monat zu holen, in Salzburg 774 Euro, weil der Kollektivvertrag besser ist. Eine Vollzeitstelle in Wien bringt 1450 Euro brutto.

Nach Männern sucht man in der Mitarbeiterkampagne zwar länger, aber es gibt sie. Etwa auf der Homepage: fünf Frauen, ein Mann. Die Frauen: Verkäuferin, Visagistin, Shop-Managerin. Er: Rayonsleiter, Chef von zwölf Filialen und 60 Mitarbeiterinnen. Oder auf einem Plakat: zwei Frauen, ein Mann. Die Frauen: Verkäuferin, Visagistin. Er in der Mitte: Rayonsleiter. Blöd nur für die Männer: Für Rayonsleiter sind momentan keine Stellen ausgeschrieben.


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