Enthusiasmuskolumne  Diesmal: das beste Naherholungsgebiet der Welt der Woche

Die Stare singen über der Süßen Tram

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 14/14 vom 02.04.2014

Der Frühling ist ein Hund: Er lässt Gute-Laune-Botenstoffe durch unseren Körper zischen und das Blut in die Schrittregion schießen - und er macht den österreichischen Gastwirt fertig. Dieser befindet sich, was die Antizipationskompetenz kurz- und mittelfristiger meteorologischer Ereignisse anbelangt, in etwa auf einer Stufe mit jenen Kleinstlebewesen, die seit zehntausenden Jahren im Packeis der Antarktis eingeschlossen sind.

Kündigt die Wettervorhersage zu Wochenbeginn fürs -ende garantierte wolkenlose 20 Grad an, ist der Gastwirt total überrumpelt, wenn’s tatsächlich so kommt: "Uaaah, urarg, im Vorjahr lag um die Zeit noch Schnee, a Waunsinn, normal, uaaah!“

Und so geschah es, dass sich am vergangenen Sonntag hunderttausende Ausflügler um die paar Dutzend Gastgartentische balgen durften, die herbeizuimprovisieren der österreichische Gastwirt in der Lage war.

Selig also jene, die sich als Ziel das Erholungsgebiet Laaer Wald auserkoren hatten. Denn wer im Gastgarten nicht gleich ein Platzerl fand, konnte ja schon einmal durchs Holztor aus Maramuresch zum Butterteich spazieren, um dort die Liebespaare zu stören, den Staren beim Singen zuhören, bei der Süßen Tram einen Schokofruchtspieß wegschnabulieren, eine Runde Minigolf spielen oder ein anderes der bestbewährten Low-Key-Entertainmentangebote im Böhmischen Prater nutzen - zum Beispiel im besten Riesenrad der Stadt die Aussicht auf den Zentralfriedhof und das bombige Preis-Leistungs-Verhältnis (€ 2,50/Pers.) genießen.

Und irgendwann wurde dann ja auch ein Tisch frei, der Kellner wuchtete eine Lage Spareribs mit Dukatenkartofferln auf den Tisch, stellte ein Krügerl Budweiser mit einer Marge-Simpson-Schaumkrone daneben. Und der HERR sah, dass es gut war.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige