Ödipus in der Neurosenfestung, historische Familienaufstellung

Feuilleton | Theaterkritiken: Wolfgang Kralicek | aus FALTER 14/14 vom 02.04.2014

Politik der Gefühle: Bühnenfassungen der ungarischen Romane "Meine Mutter, Kleopatra“ und "Das Schicksal der anderen“ in St. Pölten und Wien

Als die Tochter sich in den Westen absetzt, ist sie für die Mutter gestorben - und das ist nicht nur so dahingesagt: Sie organisiert tatsächlich ein Begräbnis. Das ändert aber nichts daran, dass die Theaterschauspielerin im kommunistischen Ungarn keine Rollen mehr bekommt.

In seinem grandiosen Roman "Die Ruhe“ (2001) entwirft Attila Bartis (geb. 1968) ein familiäres Albtraumszenario: Die Schauspielerin hat sich in ihre mit Theaterrequisiten vollgeräumte Wohnung zurückgezogen, wo sie ihrem Sohn, dem Schriftsteller Andor, einen gigantischen Ödipuskomplex anzüchtet.

Der Regisseur Róbert Alföldi, prominentes Opfer des aktuellen Regimes in Ungarn, bringt den Roman in St. Pölten unter dem Titel "Meine Mutter, Kleopatra“ auf die Bühne. Das Maschendrahtbühnenbild (Anni Füzér) ist eine überdeutliche Metapher für die Neurosenfestung,


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