Nüchtern betrachtet 

Ein Amselverstärker für den Blinklichtzinken


Klaus Nüchtern
Feuilleton | aus FALTER 14/14 vom 02.04.2014

Was wissen wir eigentlich über die Amsel? Mir will scheinen: viel zu wenig. Man nimmt die Amsel hin wie den Umstand, dass der Blinklichtzinken des Ringturms das Wetter voraussagt oder dass Niki Lauda im Fernsehen zu irgendwas seinen Senf dazu gibt. Dabei sind die Amsel und der Blinklichtzinken wirklich interessante Zeitgenossen. Im Hof, in dem ich mein Fahrrad parke, begegne ich regelmäßig einem Amselmann, der mit tonloser Nervosität auf dem Boden herumhopst und ganz generell eine etwas ärmelschonerhafte Aura aufweist. "Typisch Amselbeamter“, denkt man ungnädig, "schiebt einen chilligen Nine-to-five-Job im Ministerium für auswärtige Amselangelegenheiten und zwitschert sich einen ab.“ Dabei ist der zurzeit in Väterkarenz, kümmert sich um den Nachwuchs, wechselt die Windeln, checkt die Würmer und würde, käme ich dem Nest zu nahe, nicht zögern, mir seinen gelben Amselbeamtenschnabel vollrohr in die Pupille zu dremmeln.

Viel Unsinniges und Unsensibles, ja nachgerade Herzloses

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