Favoriten ist am Zug

Stadtleben | Baustellenrundgang: Maik Novotny | aus FALTER 14/14 vom 02.04.2014


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Eine Baustelle! Eine Baustelle!“ Begeistert stürmt das kleine Mädchen, das gerade mit seinen Eltern aus dem Haus kommt, auf den Bauzaun gegenüber zu. In der Tat: Die Landschaft aus Erdreich und Kieselgebirgen hinter dem Zaun gäbe eine tolle Sandkiste für spielfreudige Kinder ab, Bagger inklusive. Eine städtische Wüstenlandschaft, die fast an Dubai erinnert. Doch keine 800-Meter-Türme lugen hier durch den Staub, sondern Arsenal und 21er-Haus. Weiter links entlang des Bahndamms, dort, wo einst der labyrinthische Südbahnhof stand, zeigen Kräne an, wo das Quartier Belvedere mit dem Erste-Bank-Campus entsteht. Ganz links verschwindet das gezackte Dach des Hauptbahnhofs, gerade eben fertiggestellt, hinter dem gläsernen Turm der ÖBB-Zentrale.

Es mag keine aus dem arabischen Wüstensand gestampfte Millionenstadt sein, doch eine städtische Frontlinie, die sich langsam in eine Terra incognita hineinschiebt, ist es sehr wohl – und das mitten in Wien. Kein Wunder, dass kleine Wiener und Wienerinnen mit Bauzaunpioniergeist davon fasziniert sind. Denn hier macht sich auch ein oft geschmähter Bezirk bemerkbar: Favoriten, von der Reststadt durch Bahndamm und Gürtel abgeschnitten, streckt seine Finger in Richtung seiner Nachbarn aus.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige