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Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 14/14 vom 02.04.2014


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Seit Markus Artner 1996 sein erstes Lokal in der Floragasse aufmachte, gelang es ihm durchaus gut, immer wieder im Gespräch zu bleiben. Sei es durch Neueröffnungen (Franziskanerplatz, Hermesvilla) der Fall, sei es durch Erweiterung des Stammhauses oder der erstmaligen Ausstattung eines österreichischen Restaurants mit einem exklusiven Josper-Grill aus Barcelona, oder sei es durch Engagements namhafter Köche wie Christoph Brunnhuber oder dem langjährigen Steirereck-Küchenchef Helmut Österreicher. Über Markus Artner gab’s immer was zu berichten, so etwas mögen wir Journalisten.

Und besonders mögen wir es, wenn wir eine ganz wunderbare Nachricht zu überbringen haben. Zum Beispiel, dass François Laliberté – 2013 mit dem „François im Vierzehnten“ die Sensation schlechthin – jetzt hier kocht. Und damit wieder kocht, denn das war gar nicht so sicher, nachdem es schwere finanzielle Differenzen mit den Geschäftspartnern gab, das „François“ nach nur einem Dreivierteljahr zusperrte und man Gerüchte hörte, dass der fröhliche Kanadier das Land verlassen solle.

Kam jetzt aber ganz anders. Und Laliberté gestaltet seit Jahresanfang die Speisekarte im Artner, kocht im Team von Michael Kolarik mit und verbindet in dieser Funktion die Möglichkeiten dieses Josper-Räuchergrills mit seiner so einzigartigen mediterranen Küche.

Die Melanzanicreme Baba Ghanoush aus heiß geräucherten Auberginen, bist du deppert! Oder der Gemüsesalat Escalivada – geräucherter Kohlrabi, Puntarelle und Frühlingszwiebeln mit Harissa-Dressing und Kräutersalat, süchtig machend, man ist echt mit den Nerven fertig, wenn man den aufgegessen hat (und erst recht, wenn man weiß, dass es nächste Woche eine neue Karte gibt, € 8,90). Sardinen „Escabèche“, mariniert, mit Blutorangen und Radieschen, sauer, salzig, fruchtig, cremig – unglaublich, was man aus so wenigen, einfachen Zutaten rausholen kann (€ 10,90). Oder diese im Rauch gebratenen Winterblätter – Radicchio und Chicoree – mit frittierten Zwiebeln, frugaler geht kaum mehr, besser aber auch nicht (€ 9,90). Oder Cremesuppe aus geräuchertem Karfiol mit Kümmel, Zimt und gerösteten Pinienkernen – schon genug Rauch? Nein! (€ 4,90.) Wäre dann noch mit Fenchel und Chili im Ofen gegrillte Makrele auf Blattspinat (€ 16,90), so ein komplexes Geschmackserlebnis mit so simplen Zutaten und mit so wenig Aufwand zubereitet bekommt man in Wien derzeit sonst nirgendwo, das ist wirklich begeisterndes Essen.

Man kann hier übrigens nach wie vor auch unglaubliche Steaks essen, etwa von uralten baskischen Rindern um 15 Euro pro 100 Gramm. Oder Kalbsbries mit Garnelen, Bratkartoffeln und Pioppini-Pilzen in Manzanilla, Rich Man’s Gröstel sozusagen, das Gröstel des Himmels (€ 25,90). Es ist so schön, dass François wieder kocht. Taugt mir sehr.

Resümee:

Zuerst Szenelokal, dann Steaklokal, dann BBQ-Lokal, jetzt das BBQ-Lokal mit einem der interessantesten Köche der Stadt. Gute Entwicklung.

Artner auf der Wieden
4., Florag. 6
Tel. 01/503 50 33
Mo–Fr 12–24, Sa, So, Fei 18–24 Uhr
www.artner.co.at


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