Ins Mark  Der Kommentar zur steirischen Woche

Jetzt sollte es klingeln

Steiermark | Gerlinde Pölsler | aus FALTER 14/14 vom 02.04.2014

Ausschöpfen, was geht - so kann man umreißen, was die steirischen Regierungsparteien SPÖ, ÖVP und FPÖ beim Automatengambeln vorhaben. Laut Entwurf für das steirische Glücksspielgesetz dauert ab dem Jahr 2016 ein Spiel nur eine Sekunde, pro Spiel dürfen zehn Euro eingesetzt werden. Damit werden die großzügigen Grenzen des Bundesgesetzes voll ausgenützt. In einer Minute kann man also bis zu 600 Euro verlieren. Das Land allerdings holt sich damit vom Bund das Maximum an Geld.

In den Stellungnahmen schlagen Experten genau deswegen im übertragenen Sinn die Hände über dem Kopf zusammen, von der Arbeiterkammer über die Schuldnerberatung bis zu Glücksspiel- und anderen Suchtfachstellen. Sie kritisieren auch den enormen Spielanreiz, winken doch theoretisch 10.000 Euro pro Spiel. Mehrere Institutionen fordern nun, wenigstens auf die oberösterreichischen Regeln runterzugehen: Höchsteinsatz fünf Euro, Mindestspieldauer zwei Sekunden. Außerdem solle die Spielzeit wie dort auf drei Stunden innerhalb eines Tags begrenzt werden - nach jetzigem Plan könnten die Steirer, abgesehen von viertelstündigen (Pinkel- und Rauch-)Pausen, von zehn Uhr vormittags bis vier Uhr früh durchzocken.

Sogar das Argument des roten Ausschusschefs Johannes Schwarz, man brauche das Geld ja auch für Präventionsmaßnahmen, wird in den Stellungnahmen abgeräumt: Obwohl zuvor beschlossen, sei genau der Punkt, der die Verwendung der Einnahmen für Prävention regle, im Entwurf einfach "nicht mehr enthalten“, schreibt der Landessuchtkoordinator. Reagieren die Koalitionspartner darauf nicht, haben sie bei dem Thema endgültig ihre Glaubwürdigkeit verspielt.

Gerlinde Pölsler ist Redakteurin im Steiermark-Falter


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