Tiere

Donnervögel

Falters Zoo | Peter Iwaniewicz | aus FALTER 14/14 vom 02.04.2014


Hubschrauber kreisten stundenlang über Wien und vermittelten den bedrohlichen Sound von Bürgerkriegsregionen. Anlass war diesmal aber kein Sportevent, sondern ein Staatsbesuch des israelischen Präsidenten. Dieser ist – was man über ihn sonst kaum weiß – ein großer Bewunderer kreisender Flieger: Zu Zeiten des britischen Protektorats im damaligen Palästina, war es den siedelnden Juden verboten, die Negev-Wüste im Süden des Landes zu betreten. Unter den Teilnehmern einer dennoch stattfindenden Exkursion befand sich ein gewisser Szymon Perski. Begeistert vom eleganten und schnellen Flug eines dort in der Thermik segelnden Bartgeiers, beschloss dieser, den hebräischen Namen dieses Tieres, peres, anzunehmen. Und seitdem nennt sich der Friedensnobelpreisträger und aktuelle Präsident Israels Schimon Peres.

Im Mai 2008 ernannte er zum 60-Jahre-Jubiläum der Staatsgründung jedoch den Wiedehopf zum nationalen Vogel des Landes. Dieser Ernennung ging eine nicht ganz konfliktfreie Debatte über die passende Vogelart voran. Yossi Leshem, jener Ornithologe, der die nationale Kampagne leitete, bemerkte dazu sehr treffend: „Israel liegt am Schnittpunkt dreier Kontinente. Aus politischer Sicht ist das ein Desaster, für Vögel ist das jedoch großartig.“ Da Wildtiere sich nicht um Grenzen kümmern, sind Zugvögel auch ein passendes Symbol für staatenlose Lebewesen. Zweimal im Jahr ziehen 500 Millionen Individuen von circa 550 Vogelarten durch das Land. Doch welcher dort brütende Vogel könnte Israel am besten repräsentieren?

Tauben und Falken waren metaphorisch zu sehr belastet, um es auf die Shortlist zu schaffen. Eulen wären zwar Symbole der Weisheit, sind aber vor allem effiziente „Killer“.

Der Bartgeier schied aus, weil er mittlerweile in Israel ausgerottet ist. Der Gänsegeier hatte den Makel eines Aasfressers. Andere Vogelarten trugen den falschen Namen: Die possierlichen Nektarvögel – ökologisch gesehen Pendants zu den amerikanischen Kolibris – heißen auf Englisch sunbirds. Und der in Israel sehr häufige Orange-tufted Sunbird wird „Palästinavogel“ genannt.

So wurde es dann der Wiedehopf. Bei seiner Ernennung bedauerte Peres, dass es nicht doch eine Taube geworden sei: „Tauben finden von überall nach Hause. So etwas schaffen trotz Behinderungen und Entfernungen nur echte Zionisten.“


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