Kunst Kritik

Köpfe mit Pailletten und übermalte Gesichter

Lexikon | NS | aus FALTER 14/14 vom 02.04.2014

Angela Merkel hockt als Eule auf einem Ast inmitten verdächtig aussehender Riesenpilze: Mit Gemälden wie "In den deutschen Wäldern" beweist Katrin Plavcak in der Galerie Mezzanin wieder jene Lust an abgefahrenen Bildsujets, für die sie bekannt geworden ist. Ihrer Malweise bleibt die mittlerweile in Berlin lebende Künstlerin auch in der Schau "Tools & Accessoires" treu, aber es gesellen sich eigenwillige Stock-und Turmplastiken zu ihren bunten Gemälden. Am Ausstellungsbeginn verbirgt ein lila Batiktuch das Gruppenbild "Painting History Revisited". Während sie sich Einfall sparen hätte können, sorgen die Skulpturen in der Schau für einen poppigen Charakter, der der Malerei gut tut. Das in der Moderne so wichtige Raster gereicht Plavcak gerade mal zum Sockenmuster. In "Landschaft mit Wimpern" spielt sie auf Salvador Dalí an, während die mit Pailletten bestickten Köpfe auf Säulen aus Garnknäueln stehen.

Gegenüber in der Galerie Meyer Kainer gestaltet Elke Silvia Krystufek ihre Schau "Harmonie 19" aus ihrem Archiv. Das heißt, sie zeigt nur ältere Gemälde und Zeichnungen. Als verbindende Thematik wählt sie die Maske und das Verschwinden. Dafür integriert die Künstlerin auch Fotoarbeiten ihres Vorbilds Cindy Sherman, allerdings keines der berühmten Rollenporträts, sondern Aufnahmen eckligformloser Massen aus der Serie "Disaster". Seit sie sich selbst nicht mehr malt, hat Krystufek Verschiedenes ausprobiert, zum Beispiel Vorlagen aus der Kunstgeschichte, Männerakte oder Textilskulpturen. Das hat mal besser, mal schlechter funktioniert, hob aber den Eindruck nicht auf, dass sie mit ihrer eigenen Entwicklung ansteht. Während Plavcak ihre Fantasiewelten lustvoll in 3-D weiterspinnt, führt Krystufek als Kuratorin ihres eigenen Werks in eine weitere Sackgasse

Galerie Mezzanin bzw. Galerie Meyer Kainer, beide bis 19.4.


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