Ausstellung Vernissage

Via Sessellift über die Astronautennahrung

Lexikon | NS | aus FALTER 14/14 vom 02.04.2014

Vor heuer 50 Jahren wurde der Donauturm errichtet, der mit seinem Drehrestaurant immer noch als touristische Attraktion funktioniert. Das mit Stahlmasten 252 Meter hohe Ausflugsziel war der Höhepunkt der Wiener Internationalen Gartenschau, für die auch ein Sessellift, eine Liliputbahn, ein Turmgewächshaus und der künstliche Irissee errichtet wurden. Für rund 2,1 Millionen Besuchern polierte Wien damals sein Image als blühende, fortschrittliche Metropole auf. Die Ausstellung "WIG 64. Die grüne Nachkriegsmoderne" im Wien Museum rollt nun das Event auf, das die Gartenschauen in den zerbombten deutschen Städten zum Vorbild hatte. Mit historischen und aktuellen Fotografien, Modellen, Filmen, Plakaten und Erinnerungsberichten von Wienern wird dem Mammutprojekt und seiner Wirkung nachgegangen.

Ein zentrales Ziel war die Aufwertung der Stadt "jenseits der Donau". Die ausgewählte Gegend stellte zudem ein Problemgebiet dar, denn auf dem Gebiet des heutigen Donauparks befand sich nicht nur eine Mülldeponie, sondern auch die illegale Siedlung "Bretteldorf", der "Slum von Kaisermühlen". Mit den Blumenbeeten wurde noch eine andere unliebsame Erinnerung begraben: In der bereits seit der Monarchie existierenden Militärschießstätte vor Ort hatten die Nazionalsozialisten 129 Personen hingerichtet.

Insgesamt umfasste das nach dem Motto "soziales Grün" verplante Areal eine gigantische Fläche von fast eine Million Quadratmeter. Zwei Millionen Stauden, Sträucher und Nadelbäume wurden eingepflanzt; unter anderem in einem skurrilen "Garten des 21. Jahrhunderts" mit Pflanzenkost für Astronauten. Die Gestaltung des Areals stieß aber auch auf Kritik: als "wildgewordene Fantasie eines Kleingärtners" bezeichnete Architekt Hermann Czech das Prestigeunternehmen.

Wien Museum, Mi 18.30; bis 31.8.


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