Das Theater t'eig zeigt, wie man Büchners Woyzeck rockt

Lexikon | THEATERKRITIK: HERMANN GÖTZ | aus FALTER 14/14 vom 02.04.2014

Die Location ist Programm. Ja, das kennt man schon von t'eig-Produktionen. Regisseur Thomas Sobotka und sein Team haben bereits das Jüngste Gericht im Bezirksgericht West gezeigt oder eine Roma-Saga in der Welschen Kirche am Griesplatz. Diesmal wird im Nachtlokal Volt Georg Büchners "Woyzeck" als musikalisch motivierte Performance gefeiert.

"Was ist das, was in uns lügt, hurt, stiehlt und mordet?", fragt Büchner in "Dantons Tod". Sein "Woyzeck" gibt darauf nicht nur eine Antwort. Der revolutionären Sozialkritik, die den Text in die Lesebücher brachte, wird von t'eig wenig Beachtung geschenkt. Es ist vielmehr der schleichende Irrsinn des gemobbten Mannes, dem die Produktion nachspürt. Sobotka konnte mit Maria Burghardt (Hauptmann/Cello), Florian Drexler (Tambourmajor/Sax), Tobias Ofenbauer (Woyzeck/E-Bass), Dorit Oitzinger (Marie/Violine), Sebastian Reiß (Doktor/Posaune, Blockflöte) eine Reihe musizierender, feiner Schauspieler gewinnen. Unter der Leitung von Rainer Binder-Krieglstein wird so nicht nur die düster verwirrte Stimmung des Dramas vertont, sondern sogar Teile des Textes.

Gekonnt führt das Ensemble vor, wie man mit Instrumentalisten als Darstellern fährt: Alles kann gerockt werden. Und so rumpelt und stampft sich Büchners genialisches Fragment zum "schönen Mord" vor, dass es eine Freude ist. Schade nur, dass der Rhythmus des Abends bei aller Musik zuweilen stolpert oder stockt, auch weil sich Sobotka nicht immer zwischen Ironie und Ernsthaftigkeit entscheiden mag. Dennoch: Wenn schon wieder mal Woyzeck, dann so!

Volt, Graz, Fr, Sa, Mi, Do jeweils 20.00


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige