Film Retrospektive

Zum 100. Geburtstag: das Kino der Marguerite Duras

Lexikon | MO | aus FALTER 15/14 vom 09.04.2014

Es ist ein Fluss, der mich Tag und Nacht durchfließt, ich kann sagen, ich mach jeden Tag ein Buch, jeden Tag einen Film." So weit Marguerite Duras (1914-1996), die weltberühmte Schriftstellerin und kaum bekannte Filmemacherin, deren Geburtstag sich Anfang April zum 100. Mal jährte.

Duras kam 1959 als Mitarbeiterin von Alain Resnais bei "Hiroshima mon amour" (1959) im Kino an. Doch wenn das Publikum sich ihrer heute erinnert, so am ehesten wohl für "L'Amant", die spekulative Verfilmung ihres gleichnamigen Romans durch Jean-Jacques Annaud (1992), die Duras selbst freilich abgelehnt hat - und die deshalb konsequenterweise auch nicht Teil dieser Retrospektive ist.

Ihr eigenes Filmschaffen hingegen ist seit jeher nur einem Kreis sehr gut informierter Cinephiler vertraut. Und das, obwohl Stars wie Jeanne Moreau, Gérard Depardieu, Delphine Seyrig oder Dominique Sanda ihr Werk bevölkern: Filme wie "Nathalie Granger"(1972) oder "Le Camion" (1977) oder auch "Les Enfants" (1985), dessen fröhlich dahinalbernde Kinderbuchvorlage "Ah! Ernesto" unter anderem auch Danièle Huillet und Jean-Marie Straub zu ihrer ungewohnt vergnüglichen Filmminiatur "En rachâchant" inspirierte.

Die fortgesetzte Geringschätzung ihres filmischen Schaffens ist darin begründet, dass sich Marguerite Duras nachdrücklich zu einem "anderen Kino" bekannt hat, zu einem nicht-kommerziellen, nicht-instituionalisierten Filmschaffen. "Ich weiß nicht, ob ich das Filmemachen neu erfunden habe. Ich habe Filme gemacht. Für die Profis sind Filme, wie ich sie mache, inexistent", resümiert Duras in ihrem großartigen Kinobuch "Die grünen Augen" - und weiter: "Ich habe erst ihr Kino gesehen, dann habe ich mein eigenes gemacht, und sie haben immer weniger gezählt."

Österreichisches Filmmuseum, 11.4. bis 8.5.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige