Kommentar  

Flatrate-Bordells regen uns auf, der Straßenstrich nicht?

Prostitutionsgesetz

Falter & Meinung | Birgit Wittstock | aus FALTER 15/14 vom 09.04.2014

Wien hat jetzt also mit dem "Donaudolls“ sein erstes Flatrate-Bordell. "Flatrate“ heißt auch in der Prostitution viel Leistung für so wenig Geld wie möglich. Vor allem ist es aber auch ein Werbeschmäh: Das Flatrate-Konzept lebt nicht zuletzt von männlicher Selbstüberschätzung. Nichtsdestoweniger sieht die Realität so aus, dass vor allem die Betreiber abkassieren, während die Frauen viele Freier zu bedienen haben.

Das hat SPÖ und Grüne auf den Plan gerufen: Sie fordern eine bundesweite Änderung des Prostitutionsgesetzes und ein Verbot der Flatrate.

Man könne mit dem Wiener Prostitutionsgesetz dagegen ankämpfen, dass Frauen ausgebeutet werden, und dafür sorgen, dass sie sichere Arbeitsplätze haben, sagte Frauenstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) jüngst. Klingt gut. Aber was ist mit den mehr als 3000 Frauen, die Nacht für Nacht auf Wiens Straßenstrich ausgebeutet werden? Wer sorgt dafür, dass sie sichere Arbeitsplätze haben? Etwa jenes Wiener Prostitutionsgesetz, das die Frauen mit seiner jüngsten Novellierung 2011 in abgelegene Stadtteile verdrängt hat? Das Gesetz, das es ermöglicht, dass ungezählte rumänische und bulgarische Jugendliche ihre Körper auf Wiens Ausfallstraßen für den Preis eines Päckchens Zigaretten und einer Dose Red Bull verkaufen? Und dort sind es immer noch vor allem die Zuhälter der Frauen, deren Hintermänner, Freunde, Bordellbetreiber, die an der Prostitution verdienen. Gegen diese Ausbeutung kann sie das bestehende Gesetz nicht schützen. Ein Sexkaufverbot nach schwedischem Vorbild würde helfen. Es wurde zwar bereits 2001 auch in Österreich diskutiert, aber dann wieder verworfen, denn hierzulande wagt sich kein Politiker aus der Deckung.


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