Wieder gelesen 

Bücher, entstaubt

Politik | Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 15/14 vom 09.04.2014

Diskurs für die Schwachheit

Ein französischer Marxist schreibt über den Erfinder von Christus, dem Auferstandenen, nämlich Paulus? Und daraus wird dann auch noch ein politisches Buch? Was so verquer klingt, entpuppt sich als Einführung in die kulturelle Revolution, die das Denken des Paulus für die Geistesgeschichte des Abendlandes bedeutete, "von der wir immer noch abhängen“. Er sei nicht der Erste, der aus Paulus einen Lenin mache, dessen zweideutiger Marx Christus wäre, sagt Badiou, man kann sich aber kaum vorstellen, dass andere den Übergang vom Ritus zum Ereignis, den Badiou als zentral beschreibt, kompakter dargestellt hätten. Den christlichen Mythos, wie ihn Paulus "erfand“, charakterisiert er als ein singuläres Ereignis, das dennoch universalisierbar sei. Paulus versteht er als große Figur der Antiphilosophie, der, bewaffnet mit einem persönlichen Erlebnis - seiner Bekehrung -, die Abschaffung der Gesetze predigt. Und sich für den historischen Jesus kein bisschen interessiert, aber dafür umso mehr für die Armen und Schwachen seiner Gemeinde.

Alain Badiou: Paulus. Die Begründung des Universalismus. Diaphanes, 135 S., € 20,50

Siehe auch Buch der Stunde auf S. 30


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