Arg bedroht ist Legoland: Big Business hat es in der Hand

Feuilleton | Baustellenbefund: Klaus Nüchtern | aus FALTER 15/14 vom 09.04.2014

Allein über das 1932 gegründete Unternehmen Lego ließe sich ein ganzes Stück Kulturgeschichte zwischen Moderne und Postmoderne erzählen. Der Legostein, wie wir ihn kennen, wurde 1958 patentiert und verhalf Generationen von Kindern zu ersten elementaren Einsichten in die Statik (Ziegelbauweise!). Die pixelige Schlichtheit der ersten Bausätze wurde nach und nach durch einen "Realismus“ abgelöst, der Lego zum idealen Merchandising-Spin-off für filmindustrielle Großoffensiven à la "Star Wars“ oder "Harry Potter“ machte - und natürlich kreative Verarmung nach sich zog, weil: Nachbau kills the Kinderfantasie!

Auf vertrackte Weise ist dieses Narrativ auch in "The Lego Movie“ eingebaut, das einerseits durchaus mit dem Charme abstrahierender Schlichtheit arbeitet (Meereswellen aus Lego!), andererseits die Rauminszenierungen und Actionprogramme des Kinos von "Metropolis“ über "Blade Runner“ und "Project Brainstorm“ bis "Pacific Rim“ im Fast-Forward-Modus durchspielt und überbietet.

Fulminant choreografiert, beginnt der Film als eine fröhliche, vom Discoknaller "Everything Is Awesome“ untermalte Dystopie der Abrissbirne, in der sich Bauarbeiter Emmet als reibungslos funktionierender Normalo ins Imperium des sinistren Lord Business fügt, der mit der bösesten Legomännchenfrisur ever und der Stimme von Will Ferrell ausgestattet wurde. Emmets unvermeidliche Wendung zum Widerständler gegen Big Business verläuft über die unausweichliche Love-Story mit Rebellengirl Wylde Style und mündet über eine immer grotesker werdende Actionkomödie im sentimental-didaktischen Ende.

Alles ganz spaßig zum Ansehen, bloß dass sich das Regieduo Phil Lord und Christopher Miller (das schon den superwirren "Cloudy with a Chance of Meatballs“ verantwortete) nicht entscheiden kann, ob es politisch auf den individualistischen Nerd-Bricoleur oder das Ingenieurskollektiv setzen mag. Eine vergebene Chance, Lego endlich für eine Renaissance des Kommunismus einzusetzen!

Ab 4.4. in den Kinos (OF im Haydn)


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