Marienkäferlaufen

Stadtleben | Reportage: Thomas Rottenberg | aus FALTER 15/14 vom 09.04.2014

Fast schon Marathon: Auf der Hauptallee im Prater trainieren sehbehinderte Kinder mit Begleitläufern

Manchmal fällt auf der Prater-Hauptallee das Licht aus. In einem Teilbereich. Im Winter sieht das dann wie in einem David-Lynch-Film aus: Ein Tunnel aus diffuser Helligkeit endet im Nichts. Die Dunkelheit verschluckt Läufer so, als würde sich ein Vorhang schließen.

Gloria irritiert das keine Sekunde. "Mach dir keine Sorgen“, sagt sie und lacht. Gloria ist zwölf Jahre alt. Und praktisch blind: Hell und dunkel kann sie unterscheiden, Personen und Objekte in ihrer unmittelbaren Nähe erkennen. Wie weit "unmittelbare Nähe“ reicht? Gloria weicht aus. Das sei nicht wichtig. Viel wichtiger ist, dass sie gerade mächtig stolz ist: Dass der Schritt ihres Begleiters langsamer und unsicher geworden ist, hat sie sofort bemerkt. Aber sie beruhigt ihn: "Wirklich, du kannst dich auf mich verlassen.“

Gloria ist auf der Hauptallee unterwegs. Und leicht zu erkennen: "Marienkäferjackerl“ nennt


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