Prost!  

Seltenheitswert: Limonade, die normal schmeckt, ohne Aroma

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Gazzosa

Stadtleben | aus FALTER 15/14 vom 09.04.2014

Es ist schon das verächtliche Wort Limonadenjournalismus gefallen! Das hat wohl mit der Annahme zu tun, dass von alkoholischen Getränken eine geheimnisvolle Aura ausgeht. Derweil bedenkt man kaum, welch betörende Wirkung Limonade haben kann, vorausgesetzt, sie ist gut gemacht. Nehmen wir das Beispiel La nostra Gazzosa vom italienischen Hersteller Lurisia.

Mit diesem Getränk in der Hand kann man sich innerhalb von Sekundenbruchteilen an die amalfitanische Küste manövrieren. Motor ist die kurze Geschichte über den Seltenheitswert dieses Produktes. Es ist wie eine Art potenzierte Selbstbeweihräucherung, die auf dem zitronengelben Etikett mit der reduzierten Grafik einfach stimmt. Mehr braucht es nicht als die echte Limone sfusato, Mineralwasser aus Roccaforte Mondovi und jede Menge Rohrzucker. Wer denkt, dass hier an Zucker gespart wird, der liegt eindeutig falsch. Da ist sogar mehr drin als in Sprite, das höchstens für kaputte Abende mit Tequila-Slammer taugt.

Gazzosa kommt ohne Aromastoffe aus und schmeckt, wie man sich Zitronenlimonade vorstellt: glasklar, süß und ohne Fruchtfleisch, das meist nur als Indiz für Natürlichkeit beigemischt wird. Der große Vorteil der limonadengetränkten Träumereien ist, dass man, sobald die Glasflasche leer ist, sofort wieder im normalen Duktus zu sprechen in der Lage ist, was bei der Alkoholvariante erst nach Beschleunigung mit anschließender Entschleunigung passiert, was wiederum Stunden bis Tage dauern kann. MS


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