Die Zeiten werden Haerdtl

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 15/14 vom 09.04.2014


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Dass der Volksgarten-Pavillon wieder offen hat, ist zwar sehr erfreulich, weil ein unmissverständliches Zeichen dafür, dass der Frühling wieder da ist, aber jetzt nicht so wirklich irrsinnig neu.

Der Volksgarten-Pavillon sperrt nämlich jeden Frühling wieder auf. Das Design des 1951 von Oswald Haerdtl gebauten Milchpavillons ist immer noch fantastisch und der Smoker – jenes schwarze Eisending, das hier vor fünf Jahren aufgestellt wurde und somit die erste Möglichkeit war, in Wiens Gastronomie echtes BBQ zu bekommen – ist zwar noch mit einer Plane abgedeckt, aber nicht mehr lange.

Ja, stimmt, das war bis jetzt alles nicht neu, beziehungsweise ist es wohl auch noch ein wenig zu früh. Allerdings kommt noch etwas nicht Neues dazu, nämlich: Matthias Zykan kocht hier wieder. Autodidakt Zykan hatte zehn Jahre lang die Küche im Palmenhaus geleitet und in dieser Zeit für eine moderne, frische, kreative Linie gesorgt, wie man sie in Wien damals sonst nicht bekam.

Für das Schwester-Lokal Volksgarten Pavillon, das immer ein bisschen in einer kulinarischen Identitätskrise steckte, dachte er sich dann die Sache mit dem Smoker aus, den Peter Fallnbügl – seit ein paar Wochen Chefkoch im neuen Heuer am Karlsplatz – virtuos zu bedienen wusste. Vorigen Sommer tauchte Zykan dann wieder kurz mit der „Filiale“ am Petersplatz auf, ein Pop-up-Lokal anlässlich der Biennale in Venedig, in dem Zykan venezianische Happen „Bacari“ reichte. War super.

Und jetzt also wieder im Pavillon, was sich einstweilen in einer kleinen, sehr feinen Mittagskarte äußert und ab 25. April dann mit aller Wahrscheinlichkeit wieder zum besten rauchgarenden Lokal der Stadt wird. Er wolle die schwarze Lokomotive da nämlich 24 Stunden in Betrieb haben, sagt Zykan, also über Nacht auch Gemüse oder sonstige Zutaten im kalten Rauch nur ein bisschen parfümieren, die vielen Möglichkeiten des Smokers nutzen. Zykan sucht auch schon seit geraumer Zeit interessante Produkte, Würste, Fleisch, Geflügel und Fische, die dann in den heißen Qualm kommen werden.

Aber wie gesagt, das ist leider noch Zukunftsmusik, der Salat aus sizilianischen Tarocco-Orangen mit rohem Fenchel und Olivenöl war aber schon ein ganz guter Trost, muss man sagen (€ 3,80). Und was sich als „Grillkäsesandwich“ jetzt ein bisserl sehr öd anhört, war dann ein wirklich guter, gegrillter Roggenbrot-Toast mit geschmolzenem Käse, dazu sautierten Champignons und wirklich sehr knackigem grünem Salat (€ 8,40). Und Eishken Estate, der beste Fischhändler des Landes, liefert Bodensee-Felchen, die da mit viel Dille und Zitronenbutter auf den Grill kommen, zart, saftig, wunderbar. Und definitiv schon eine Einstimmung auf das große Räuchern (€ 15,–). Techno-Café kommt dann auch wieder. Aber das ist eine andere Geschichte.

Resümee:

Der Volksgarten Pavillon erwacht aus dem Winterschlaf. Vorerst mit einem köstlichen, kleinen Tagesprogramm, bald mit viel Rauch.

Volksgarten Pavillon
1., Volksgarten
Tel. 01/532 09 07
bis 25.4. tägl. 11–18 Uhr
www.volksgarten-pavillon.at


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige