Phettbergs Predigtdienst

Unter dem Stichwort: Verwirrt lebend

Kolumnen | aus FALTER 15/14 vom 09.04.2014

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Dr. Aschauer schämte sich am Dienstag schon seines Kirschbaumes: Als er diese Woche den Vorhang des Kirschbaumtheaters aufzog, sagte er: "Er ziert sich noch.“ In der Tat, ich sehe Woche für Woche die Knospen sich aufblasen, aber ich sehe sie nie explodieren. Ich kann nur hoffen, dass am Di., 8.4.14 um 07.00 Uhr all die Kirschbaumblasen geplatzt sein werden, damit ich voller Freuden diesem heurigen späten Ostertheater zuschauen kann. Im Laufe der 14. Kalenderwoche hab ich meine Augen erfreut an circa dreijährigen Buben, die in Bluejeans und in Ponybikes mit ihren Vätern, ebenfalls in Blue Jeans, um die Wette rannten. Der Hurtigste war wohl ein Dreikäsehoch, der sich nicht einkriegte vor Lachen über seinen Vater. Er gewann immer wieder auf seinem Ponybike, obwohl sie den Pintplatz in dieser Tour mehrmals umrundet haben, und dann freute er sich gewaltig, voller strahlender Augen. Meine Eltern waren beide 40, als sie mich gebaren, und kriegsversehrt, meine Mama sogar schon eine Kriegerwitwe. Theo meint, eigentlich gehörte ich in eine dritte Rubrik des Unternalber Kriegerdenkmals unter dem Stichwort "verwirrt lebend“. Als mein Halbbruder 1939 ein Dreikäseknirps war, fuhr er genauso voller Stolz mit einem Dreilala (Dreirad), und unsere Mama hatte auch mich 1954 mit einem Dreilala auf ein Foto gebannt, wie ich ein Dreikäsehoch war. Heutzutage steht drauf: Dies ist ein Ponybike.

Am Weg zur Kapuzinerkirche hat mir die frühere grüne Abgeordnete Theresia Haidlmayr einen Apfel geschenkt, der mir wunderbar schmeckte. Bei meiner Sexgier nach den "Knacksenden Knabenknien“, dieses Mal war Pater Jérôme Bücker von den Petrusbrüdern im Sonntagsdienst und er predigte über das "Asperges me“ und den fünfzigsten Psalm von David, der seine erste Frau umbrachte, um seine zweite Frau zu ehelichen, und dies zeigt nun im "Asperges me“, wo überall Gotty Reinigung erwirken kann. Von den "Knacksenden Knabenknien“ abgesehen sind die Predigten des jeweiligen Sonntags in der vorkonziliaren Messe immer eine Art Nachschub des mir Verlorengegangenen. Und es sind viele, viele Rechtsanwälte oder Rechtsanwaltskanzleikandidatys in dieser vorkonziliaren Messe, um den Schwung des Lateinischen ins Ohr zu bekommen. Ja, so ist Freiheit!

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