Tiere

Hotelbesitzer

Falters Zoo | aus FALTER 15/14 vom 09.04.2014


Ob eine Idee in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, kann man daran ermessen, ob dazupassende Produkte von großen Handelsketten angeboten werden. Wie zum Beispiel die sogenannten Insektenhotels. Bekam man noch in den 1980er-Jahren Schwierigkeiten mit den Nachbarn, wenn man zu viele blühende Pflanzen am Balkon hatte („do kumman nur lauter Fliagn bei de Fenster eine“), sind diese Nisthilfen heutzutage bei den Diskontern sofort ausverkauft.

Schutz und Platz für die Gelege bieten Insektenhotels vor allem für Wildbienen. Davon gibt es in Österreich ca. 650 verschiedene Arten. Im Unterschied zu Honigbienen, die als domestizierte Tiere eher die Hausschweine unter den Insekten sind, können wilde Bienenarten Blüten sogar um bis zu 300-mal effizienter bestäuben. Sie sammeln den Pollen nur locker in ihrer Bauchbehaarung und verlieren ihn dadurch auch leicht wieder. Honigbienen hingegen tragen die Pollenkörner in sogenannten „Hosen“ an den Hinterbeinen, wo er deutlich besser haftet.

Als Besitzer eines gekauften oder selbst gebauten Wildbienenstalls wird man unweigerlich von seiner sozialen Umwelt damit genervt, ob diese Bienen denn stechen können. Das ist genauso schlau wie die Frage, ob Hunde beißen.

Alle Wildbienen haben zwar einen Stachel, doch bei den meisten Arten ist dieser zu kurz, um unsere relativ dicke Lederhaut zu durchdringen. Jene, die das doch schaffen, tun dies aber aufgrund ihres vererbten Verhaltens nicht. Wildbienen sind nämlich keine sozialen Insekten und bilden keine eigene, unfruchtbare Arbeiterinnenkaste aus. Wenn Honigbienen stechen, dann sterben sie, aber sichern damit den Fortpflanzungserfolg ihres Bienenstaats.

Wildbienenweibchen ziehen ihren Nachwuchs hingegen alleine auf und müssen Konfrontationen viel eher vermeiden. Wird ihr Nistplatz bedroht, reagieren sie nicht aggressiv, sondern weichen zurück.

Aus den Larven schlüpfen daher auch weibliche und männliche Tiere. Wer als ordentlicher Hotelbesitzer seine Gäste genau beobachtet, wird bald die beiden Geschlechter an ihrer verschiedenen Größe unterscheiden können. Ja, die Männchen sind kleiner, und nein, Insekten wachsen nach der Metamorphose nicht mehr. Auf die oben gestellte Frage antwortet man am besten so, dass man die Bienen über seine Hand krabbeln lässt. Und auf einen warmen Finger lassen sich diese Insekten vor allem an kühlen Tagen gerne nieder.


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