Theater im Keller: Mike Markart lässt Edison im Dunkeln

Lexikon | Theaterkritik: Hermann Götz | aus FALTER 15/14 vom 09.04.2014

Unter den Ikonen der Industrialisierung nimmt Thomas Alva Edison eine herausragende Stellung ein. Weit mehr als "nur" die Entwicklung der Glühbirne geht auf seine Kappe. Genau diese wurde ihm aber immer wieder von Anhängern eines gewissen Heinrich Göbel streitig gemacht, dessen Patentansprüche man nicht zuletzt aus deutschnationaler Sicht gerne zitiert hat. Rund um den Zwist der beiden Techniker entwickelt Mike Makart sein von Alexander Kropsch uraufgeführtes Drama "Edison - Die Erfindung der Dunkelheit".

Dabei geht es ihm weniger um Wissenschaftsgeschichte denn um ein poetisches Moment der Leere, das sich in seinem Text wie eine Wucherung rund um den zentralen Augenblick des erfinderischen Geistesblitzes ausbreitet. Der Schreiber (Alfred Haidacher) schreibt nicht, er wartet als Bote vor Edisons Tür. Doch dieser wehrt sich gegen die Nachricht, dass einem anderen die Erleuchtung bereits gekommen sein soll. Und dann bevölkern im kafkaesken Setting noch zwei Liebende (Katrin Ebner und Werner Halbedel) die Bühne, zwei Spieler (Bernd Sraćnik und Michael Spieß) sowie ein Aktivist (Gottfried Fiala). Sie alle versuchen vergebens, dem Leerlauf zu entkommen, jagen einem Wendepunkt nach, der nie kommt oder sich als Illusion erweist. Inzwischen entwirft der Schreibende Briefe, die seinen Wahnsinn widerlegen sollen - durch Additionen. Makart stellt eine Verklärung des Abgeklärten aus, einen mystischen Reigen illusionsloser Nachdenkereien. Anfang der 90er-Jahre hätte es geheißen: ein hochmoderner Text. Heute stimmt er nostalgisch.

Theater im Keller, Graz, Fr, Sa, Mi, Do 20.00


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