Wenn der Blick ganz bei sich selber bleibt. Sonja Gangl im Artelier Contemporary

Lexikon | Kunstkritik: Ulrich Tragatsching | aus FALTER 15/14 vom 09.04.2014

Darum ging es in der Bildenden Kunst ja immer schon: etwas anzufertigen, das nur um seiner selbst willen betrachtet und bestenfalls bewundert werden sollte. Aber es brauchte doch ein paar Jahrhunderte, bis die Kunst so selbstbewusst geworden war, sich auf diese Zwangsläufigkeit im Verhältnis von Blick und Bild zu konzentrieren. Die Romantiker haben damit begonnen, das betrachtende Subjekt aus narrativen Zusammenhängen herauszuhalten und als das eigentliche Thema ihrer Bilder festzunageln. Auch wenn sich deren Blicke noch in der Weite der vor ihnen ausgebreiteten Landschaften verloren.

Jahrzehnte künstlerischer Selbstbezüglichkeit später darf der Blick ganz bei sich selber bleiben. Das führen die Bildserien der gebürtigen Grazerin Sonja Gangl in jeweils präzise kalkulierter Konzeption vor Augen. Egal ob sie Filmplakate bis auf einen schmalen Streifen schwärzt, so dass sich der nach dem Narrativen suchende Betrachter in ihnen widerspiegeln kann, pornografische Bilder im Rotlicht versteckt, in genauen Zeichnungen des menschlichen Auges danach sucht, was sich in dessen Blick verfängt. Oder ob sie Filmenden festhält, jene Momente also, in denen die sonst narrativsten aller Bilder zu rein abstrakten Formaten wechseln und dann auch noch mit "Ende" oder "The End" überschrieben sind. Das Artelier Contemporary breitet mit der Ausstellung "between black and black" einen Querschnitt durch Gangls jüngste Werkgruppen aus. Der ist nach Exemplaren zwar deutlich kleiner als Gangls vorjährige Albertina-Personale, Intimität schadet in diesem Fall aber kaum.

Artelier Contemporary, Graz, bis 3.5.


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