Film Neu im Kino

Für ein Kamel geh ich meilenweit: "Spuren"

Lexikon | MO | aus FALTER 16/14 vom 16.04.2014

Die alte Dame, die sich mit einem Besen darum bemüht, die Veranda ihres Farmhauses sauber zu bekommen, traut kaum ihren Augen, als unvermittelt eine junge Frau aus den schier endlosen Weiten der australischen Wüste vor ihr auftaucht. "Hello dear, nice to see you", begrüßt sie die Fremde, als wär's das Selbstverständlichste von der Welt. "Won't you come in for a cup of tea?"

"Spuren", ein Film von John Curran, erzählt die Geschichte von Robyn Davidson, die sich Mitte der 1970er-Jahre auf den Weg machte, zu Fuß den halben australischen Kontinent zu durchqueren. Es sind 2700 Kilometer von Alice Springs bis zum Indischen Ozean, ganze neun Monate war die junge Frau mit ihrem schwarzen Hund und vier Kamelen unterwegs. Ein paar Mal traf sie an verabredeten Orten mit Rick Smolan zusammen, einem Fotografen von National Geographic, das ausführlich über diese außergewöhnliche Unternehmung berichtete. Wiederholt kam es zu unliebsamen Begegnungen mit Touristen und einer Meute von Fotojournalisten, die der inzwischen prominenten Abenteurerin auflauerten.

Currans bildmächtiger Film hat Davidsons gleichnamigen Reisebericht in Buchform als Vorlage, der in Australien quasi Pflichtschullektüre ist. Die eigentliche Herausforderung für den Film liegt darin, die innere Reise der Protagonistin ebenso packend zu gestalten wie die äußere. Keine leichte Übung!

Dabei kommen Hauptdarstellerin Mia Wasikowska neben erwähntem Fotografen (Adam Driver) sowie Mr. Eddy, einem Stammeshäuptling der Aborigines (großartig: Roly Mintuma), vor allem Bubs, Dookie, Zeleika und Kamelbaby Goliath zu Hilfe, die mit ihrer störrischen Liebenswürdigkeit allesamt oscarreife Vorstellungen abliefern. Sie sind die wahren Stars - und ihr Trainer Andrew Harper der eigentliche Regisseur - dieses sehenswerten Films.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)


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