Kunst Kritik

Da, da, da: die Arbeit an der Repräsentation

Lexikon | MD | aus FALTER 16/14 vom 16.04.2014

Mit einer souveränen Geste nimmt der Wiener Künstler Heinrich Dunst, Jg. 1955, den Hauptraum der Secession ästhetisch in Besitz. Er stellte eine nicht ganz bis zur Decke reichende Wand schräg - wie den Schrägstrich "/"- in den Saal, die so zugleich als Raumteiler und Bildträger fungiert. Auf der Wand kleben Fotos, Ausschnitte aus einem Text von Ludwig Wittgenstein und eine osmanische Miniaturmalerei, an ihr lehnen monochrome Bildtafeln und die zwei riesigen Buchstaben D und A. "dA" ist der Titel der Ausstellung und zugleich ein Ausruf, der Symbole mit Dingen verknüpft: "Da!" Oder doch nicht? Farben, Buchstaben, Fotografien, Linien und Skulpturen verweisen immer auf etwas, das gar nicht da ist. Da ist immer auch nicht da, das Sichtbare durchdrungen vom Abwesenden.

Wenige Künstler lassen sich auf die Grundlagenforschung der Repräsentation ein. Das heißt Wittgenstein und Deleuze lesen, Kopfweh kriegen und sich von einem breiteren Publikum verabschieden. "Projektion" schrieb der Künstler in der Secession groß auf eine Pressspanplatte und befestigte gleich daneben eine mit Farbe verschmierte Malerhose, gewissermaßen als Gruß aus dem traditionellen Atelier. Dunst hat es längst zugunsten einer experimentellen Tätigkeit zwischen Theorie, Design und Performance hinter sich gelassen.

Für junge Künstler ist sein Werk in den letzten Jahren zu einem Vorbild geworden. Es passt nicht in die Klischees des Kunstmarktes, behauptet, trotz aller Abstraktion, einen politischen Anspruch. Bei aller Metaebene schauen der als Material verwendete rosa Dämmstoff und die wie zufällig aus der Wand apernden Wasserflecken außerdem einfach cool aus. Mit seiner bislang größten Soloshow hat sich Dunst eindrücklich als Kandidat für die nächste Venedig-Biennale in Erinnerung gerufen.

Secession, bis 8.6.


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