Mit dem Wutbürger-Faktor ins EU-Parlament

Politik | PROTESTCAMP-BESUCH: BARBARA TÓTH | aus FALTER 16/14 vom 16.04.2014

Am Montagnachmittag ging Martin Ehrenhauser dann doch mal kurz duschen. Seine Pritsche stand einsam auf dem Ballhausplatz, Schlafsäcke und Thermoskannen hatte er ordentlich zusammengepackt und ganz nach hinten zum Volksgartenzaun gestellt.

Martin wer? Die Chancen sind gestiegen, dass der Name des EU-Kandidaten der Wahlplattform "Europa anders" seit letztem Sonntag mehr Menschen geläufig ist.

Gemeinsam mit mehreren Kleinparteien, die zur EU-Wahl antreten, war der 35-jährige Oberösterreicher zur ORF-"Pressestunde" geladen. Aber statt mitzudiskutieren, redete er sich in Rage ("Überwachungswahn", "Bankenrettung") und verließ vor laufender Kamera das Studio, um bis auf Weiteres für einen "Hypo-Haftungsboykott" in Sitz-/Liegestreik vor dem Bundeskanzleramt zu treten. "So viel Medienpräsenz hätten wir mit unserem ganzen Wahlkampfbudget nicht kaufen können", freut sich eine Vertreterin von Der Wandel, einer weiteren Minigruppierung, die gemeinsam mit der KPÖ und den Piraten die Wahlplattform "Europa anders" bilden.

Ehrenhauser ist inzwischen ein Medienprofi. Seit 2007 war er Brüsseler Büroleiter des ehemaligen EU-Abgeordneten Hans-Peter Martin, ab 2009 dann selber EU-Abgeordneter, 2011 überwarf er sich mit seinem ehemaligen Mentor. Von Martin lernte der ehemalige Koch, der auf dem zweiten Bildungsweg Politik-und Betriebswissenschaften studierte, wie man Öffentlichkeit generiert.

Der Eklat im ORF war alles andere als spontan. Am Vorabend hatte "Europa anders" beschlossen, es krachen zu lassen. Die Wut auf die Hypo ist ein ideales Vehikel, dass nebenbei die eigene EU-Kandidatur promotet wird, ein schöner Nebeneffekt. Sollte Ehrenhauser den Einzug ins EU-Parlament schaffen, wird er sich der Europäischen Linken anschließen. F


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