Nüchtern betrachtet

Die schlechte Laune der Wohlbestallten

Feuilleton | aus FALTER 16/14 vom 16.04.2014

Wäre ich Frau Holle, ich wüsste schon, wen ich mit Gold beregnete: meinen Billakassamann. Mein Billakassamann ist der erstaunlichste Good-Vibes-Kondensator, den ich kenne. Tag für Tag sitzt er an der Kassa, immer freundlich, immer gut gelaunt, umgeben von der Aura desjenigen, der das große Los gezogen hat und es auch weiß. Nicht immer kann ich meiner Neigung zu einer perversen Form von Sozialvoyeurismus widerstehen: Dann gehe ich in den Billa und kaufe mir ein Schraubglas mit süß-sauer eingelegten Gürkchen oder eine Dose über Dampf gegarter Wachtelbohnen, obwohl ich dafür aktuell gar keine Verwendung habe.

Es kann schon sein, dass der Billakassamann einfach nur super mit Serotonin versorgt oder als Kind in einen Topf mit tollen Drogen gefallen ist. Das läuft dann quasi unter "höhere Gerechtigkeit". Die Übellaunigkeit der Wohlbestallten hingegen entbehrt aller Berechtigung. Wer hat zum Beispiel Thilo Sarrazin einen Bezugsschein für permanentes Gekränkt-, Empört-und Beleidigtsein


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