Tiere

Faultiere

Falters Zoo | aus FALTER 16/14 vom 16.04.2014


Ich nehme das Wort, das mit „B“ beginnt und „ildungsreform“ endet, ebenso ungern in den Mund wie ein Osterei zu Pfingsten. Aber beide Begriffe sind enger miteinander verbunden, als man glauben würde. Ende des 19. Jahrhunderts etablierte sich bei uns das Brauchtum vom Osterhasen. Diese Idee eines eierlegenden Säugetiers konnte nur in einer bildungsfernen Industriegesellschaft aufkommen. Nach der Winterpause etwa zu Ostern kamen Hasen bei der Nahrungssuche wieder näher an Vorstädte heran. Bei der naturentfremdeten städtischen Jugend verbreitete sich der Brauch schneller als bei der Landbevölkerung. Dort bedurfte es aufgrund der besseren Kenntnisse über Wildtiere mehr an elterlicher Überzeugungskraft, um den Kindern einen Osterhasen einzureden.

Egal. Wer in unserer schönen, neuen Konsumwelt überleben will, der muss nicht mehr auf den Fährten essbarer Wildtiere wandeln, sondern vor allem ihr Ablaufdatum kennen. Die hartgekochten und buntgefärbten Eier lagern in den Supermärkten schon seit Wochen. Ab wann gilt ein Ei als faul? Die Angaben zur Haltbarkeit werden offenbar nicht so hart gegessen wie gekocht: Das Marktamt gestattet den Verkauf von Eiern zwei Wochen ohne und vier Wochen mit Kühlung. Handelsketten behaupten, Ostereier würden bis zu acht Wochen lang halten. Der Verein für Konsumenteninformation hingegen rät, gekochte Eier mit unbeschädigter Schale nur maximal drei Wochen aufzubewahren. Ist auch noch eine geschlossene, farbige Lackschicht auf dem Ei, dann meint die Lebensmitteluntersuchungsanstalt, dass die Eier mindestens fünf bis sechs Wochen haltbar seien. Alles klar?

Zum Glück gibt es ja für uns kleine Eierbären auch noch einige hilfreiche Selbstversuche. Erstens: die Schwimmprobe. Frische Eier bleiben im kalten Wasser flach am Boden liegen. Je mehr die runde Seite mit der Luftkammer nach oben zeigt, desto älter sind die Eier. Schwimmen die Eier an der Oberfläche, dann sind sie eindeutig verdorben. Zweitens: die Schüttelprobe. Je mehr man den Inhalt des Eies beim Schütteln hin und her schwappen hört, umso älter sind die Eier. Und drittens, der Test für hartgekochte Eier: Das Ei wird in Längsrichtung aufgeschnitten. Bei jungen Eiern ist der Eidotter zentral gelagert, die Luftkammer ist klein. Mit zunehmendem Alter wandert der Eidotter zur Eischale und die Luftkammer wird größer. So riecht Ostern.


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