Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche:

Eine Essiglimonade, die plattmacht, aber schmeckt

Stadtleben | aus FALTER 16/14 vom 16.04.2014

Shrub nennt sich eine Limonade, die nach Essig schmeckt. Das Grundprinzip ist einfach: Früchte, Zucker und Gewürze werden in (gutem!) Essig angesetzt. Der Geschmack bildet sich in der Säure ab und wird gleichzeitig konserviert. Hernach spritzt man den daraus entstandenen Sirup mit Soda. Voilà!

Klingt verstörend erfrischend. Ein Nachteil von Essig ist, dass er dem Aroma der eingelegten Früchte abträglich ist und eine säurehaltige Ebene einzieht, die nicht jedermanns Sache ist. Der begleitende Säureeffekt, der in kühlschrankfreien Zeiten von den durstigen Kehlen mitgetragen werden musste, wird nun in den Mittelpunkt gerückt und zum Trend erhoben. Und fürwahr: Verstörend erfrischend!

Das Kunsthallencafé Heuer am Karlsplatz bietet Shrubs an, und zwar in den Sorten Apfel-Sternanis, Zitrone (Jugendgetränk!), Mandarine und Rhabarber. Auch wenn man wissen muss, dass es sich um eine Rhabarberlimonade handelt, weil das eigentliche Fruchtaroma plattgemacht wurde, kann sich Herr XY wohl sagen: Das ist einmal was anderes. Kein Fruchtfleisch, ein zartes Rosa, also für das Auge jedenfalls ansprechend.

Merkwürdig nur, wenn man im neuen Raucherbereich des Kunsthallencafés sitzt und sich daran erinnert, dort kulturellen Veranstaltungen beigewohnt zu haben, die noch kostenfrei zu haben waren. Jetzt sitzt man vor einem Glas Shrub für 2,10 Euro, bläst zufrieden Rauchringe in die Luft und wundert sich, dass der Geschmack alter Konservierungsmethoden zum Hype mutieren konnte. MS


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