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Aus einem geheimen Pokerzimmer wurde das kleinste Lokal der Stadt

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 16/14 vom 16.04.2014


Wencke Pond und Albert Scoma zogen vor drei Jahren in eine Wohnung in der Löwengasse. Wencke Pond ist Künstlerin und, wie das bei Künstlern halt so ist, auch schon lange in der Gastronomie tätig gewesen. Und wenn Wencke Pond dann da so aus dem Fenster blickte, sah sie gegenüber ein kleines, altes Geschäftsportal, in das sie sich verliebte und von dem sie wusste, dass das einmal das Portal ihres eigenen Lokals sein würde.

Als sie das dachte, war aber immer der eiserne Rollladen herunten und dahinter war ein niederer, finsterer Raum mit einem einzelnen Pokertisch und einer Geheimtüre ins benachbarte Sportwetten-Café. Und eines Tages meinte es das Schicksal gnädig mit Wencke und Albert, das Wettbeisl zog aus, sie bekamen das, was hinter dem Rollladen war, und machten vor einem Monat ein winzig kleines, bezauberndes Lokal namens Gedöhns draus. Wencke Pond ist Deutsche.

Im weitesten Sinn könnte man das Gedöhns wohl in die Kategorie „Shabby Chic“ eingliedern, nur ist das hier eben nicht kokett und nicht pseudo, sondern wirkt unheimlich authentisch. Man kommt rein, die sich öffnende Türe nimmt etwa ein Viertel des Lokals ein, Wenckes Kunst hängt an den Wänden, sie begrüßt einen laut und freundlich, sagt einem, wo auf die mit Polstern bewehrten Bankerln und wo an die fürchterlich niedrigen Resopal-Couchtische man sich setzen darf. Dann sagt man, was man gerne von dem hätte, das draußen auf der Kreidetafel steht, und sie legt los. Auf zwei Elektroplatten. Wie Ella de Silva seinerzeit im ersten Finsteren Stern.

Kressecremesuppe war schon aus, also Suppe von getrockneten grünen Erbsen, die aber wahrscheinlich eh die bessere Wahl war. 24 Stunden weichte sie die Erbsen ein, die Suppe dick und grün, ein bisschen Minze und frische Erbserln sorgten für Leben, sehr gut (€ 2,20/3,80). Oder grüne Tagliatelle mit rahmiger Sauce und weißen Spargelscheiben, Erdbeeren und Parmesan-Spänen; dass Spargel und Erdbeeren beide entwässern, erzählt sie, und dass man da in der Nacht wohl raus wird müssen. Und dass ihr die Pasta ein bisschen weich geworden sei, aber dass sie das so eigentlich eh lieber mag, sagt Wencke. Und dass sie sich nicht an irgendwelche Trends halte, auch nicht an den vegetarischen, obwohl sie bisher nur vegetarisch gekocht hätte. Aber nächste Woche gäb’s Reh-Bolognese, sagt sie.

Die Tagliatelle sind fein (€ 7,40), die Mandel-Schoko-Torte ist grandios (€ 2,90) und auf ihren Espresso – die Bohnen importiert ein Freund von ihr – ist sie wahnsinnig stolz
(€ 1,90). Das Bier kommt übrigens aus der Marchfelder Kleinbrauerei Storchenbräu, die Weine sind allesamt höchst interessant, und im Gedöhns hier nicht mit den Menschen zu reden, ist rein logistisch nicht möglich. Ein wunderbares, spontanes, individuelles Lokal, von dem es in Wien bitte noch 40 geben könnte.

Resümee:

Ein winzig kleines Lokal mit überaus individueller Suppen- und Pasta-Küche, in dem man sich sehr schnell sehr zu Hause fühlt.

Gedöhns
3., Löweng. 42
Tel. 0676/413 29 03
Mo–Fr 11.30–22 Uhr


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