Theater Kritiken

Zwei absurde Komödien von Theresia Walser

Lexikon | WK | aus FALTER 16/14 vom 16.04.2014

Treffen sich Imelda Marcos, Margot Honecker und Leila Ben Ali: Theresia Walsers Stück "Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel" (2013) klingt wie ein Witz, und es ist auch ziemlich witzig. Die Schauspielhaus-Saison, die den Ersten Weltkrieg und dessen Folgen thematisierte, endet mit einem Zickenkrieg. Frau Imelda (Katja Jung), Frau Margot (Franziska Hackl) und Frau Leila (Nicola Kirsch) haben sich auf einer Bühne versammelt, wo sie eine Pressekonferenz geben sollen. Bis es losgeht, ist noch Zeit für 80 Minuten stutenbissigen Smalltalk unter Diktatorengattinnen ("Ich dachte immer, man hätte Sie und Ihren Mann damals hingerichtet?"). Gutes Rollenfutter für drei starke Schauspielerinnen und ihren Kollegen Florian von Manteuffel, der als Dolmetscher zwischen die Fronten gerät. Die Gags sitzen in Sebastian Schugs Inszenierung, am zentralen Konstruktionsfehler des Stücks aber kann auch der Regisseur nichts ändern: Es fehlt die Schlusspointe.

Ein früheres Walser-Stück steht im Kosmos Theater auf dem Spielplan: "Die Liste der letzten Dinge" (2006) ist eine absurde Komödie um zwei lebensmüde Singlefrauen, die "die Welt von uns erlösen" wollen und die Scheiterhaufen schon aufgetürmt haben. Helen (Cornelia Köndgen) ist verwitwet, und das Liebesleben von Pia (Imke Büchel) beschränkt sich auf Fernbeziehungen zu "Lebenslänglichen"; dazu kommt die junge Georgina (Karin Yoko Jochum), die allerdings nur "ja" und "nein" sagen kann. Dass es nie so lustig wird wie im Schauspielhaus, liegt erstens am Text und zweitens an Dora Schneiders Inszenierung, die den Witz etwas zu forciert herausarbeiten will. Beide Aufführungen leiden darunter, dass Theresia Walser zwar gut schreiben kann, aber nicht immer so genau zu wissen scheint, was sie eigentlich sagen will.

Schauspielhaus, Fr, Sa 20.00; Kosmos Theater, Fr, Sa 20.30 (letztmals)


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