Ein Künstler und Missionar

Der Grazer Kunstpfarrer Hermann Glettler gilt als heißester Bischof-Kandidat. Wie tickt er?

Steiermark | PORTRÄT: DONJA NOORMOFIDI | aus FALTER 16/14 vom 16.04.2014


Foto: J.J. Kucek

Foto: J.J. Kucek

Die Kirche von Pfarrer Glettler ist das wohl ungewöhnlichste Gotteshaus im Lande. Von der Decke über dem Altar hängt eine Schaukel, in einer Seitenkapelle hat der Künstler Otto Zitko oranges Gekritzel an Decke und Wände gemalt, auf einem Kirchenfenster prangt ein Mann mit Schweinskopf von Gustav Troger. Troger hat auch die Außenfassade mit verschiedenfarbigen Wörtern überzogen. „Blaues Wunder“ steht dort oder „Skepsis“ – das Lieblingswort des Pfarrers. Hermann Glettler hat seine Kirche in ein modernes Kunstwerk verwandelt.

Auch die Messe ist in der St.-Andrä-Kirche im multikulturellen Grazer Bezirk Gries ein wenig anders. Der Pfarrer erzählt an diesem Sonntag die Geschichte von der Auferweckung des heiligen Lazarus, stellt sich zwischen die Kirchbänke und spricht zu den Kindern: „Wo ist die kleine Elisabeth? Sitzt sie noch hinter der Säule? Sie soll rauskommen!“ Ein mongolisches Mädchen, das auch den Pfarrkindergarten besucht, läuft nach vorne. Zum Glaubensbekenntnis bittet der Pfarrer die „Katechumenen“ zu sich. Das sind acht Erwachsene, die in der Osternacht getauft werden sollen, einige von ihnen stammen aus muslimischen Ländern. Gemeinsam mit den Kindern bilden sie einen Kreis um den Altar.


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